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Coronakrise: Die Auswirkungen sorgen für ein doppeltes Tief in der Industrie

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Durch das Coronavirus und die darauffolgenden politischen Maßnahmen verändert sich die Welt schnell. Die Unsicherheit bei Wirtschaftsprognosen und auch in der Industrie ist daher außerordentlich hoch. Das Wirtschaftsbüro der ING hat zwei Szenarien mit den Auswirkungen auf die Industrie ausgearbeitet.

Das Wirtschaftsbüro der ING hat mehrere Wirtschaftsszenarien veröffentlicht, die in groben Zügen die wichtigsten wirtschaftlichen Entwicklungen aufzeigen. Hier werden die beiden aus unserer Sicht wahrscheinlichsten „Mittelweg“-Szenarien für die Branche näher erläutert.

ING Basisszenario

In unserem Basisszenario für den Verlauf der Coronakrise wird die Zahl der Infektionen mit Hilfe von begrenzen Lockdowns eingedämmt. Die Zahl der Todesfälle in vielen europäischen Ländern erreicht nicht das Niveau wie in Italien. Wegen der sozioökonomischen Auswirkungen beschließen viele westliche Länder, die Einschränkungen ab Ende April zu lockern. Das soziale Abstandsgebot wird weiterhin gelten und alle, die von zu Hause aus arbeiten können, werden vorerst weiterhin von zu Hause aus arbeiten. In vielen europäischen Ländern werden Schulen und Gastronomiebetriebe unter strengen Regeln nach und nach wieder geöffnet.

Industrie von Schließungen und Nachfragerückgang betroffen

Nach der Unterbrechung der Zulieferung aus Asien führte die Schließung mehrerer Produktionsstätten seit Mitte März zu einem starken Umsatzrückgang in der Industrie. Das zeigt sich vor allem in der niederländischen Automobilindustrie wie bei DAF, VDL und Scania. Die Schwerindustrie, wie die Metall- und Chemieindustrie, lief weiter, aber auch dort ist die Produktion gesunken, wie bei Tata Steel. Aufholeffekte sind im weiteren Verlauf dieses Jahres nicht zu erwarten.

Auch viele KMU haben ihre Türen weitestgehend offengehalten, haben aber bereits einen deutlichen Rückgang der Auftragseingänge erlebt. Der Nachfrageausfall macht auch vor der Industrie nicht Halt, auch wenn viele produzierende Unternehmen in der kommenden Zeit noch zu tun haben. Umfragen u. a. von der NRK und der Metaalunie zeigen, dass der Umsatzrückgang auch dort begonnen hat. Die Hightech-Industrie steht als „Wachstumssektor“ immer noch positiv dar, aber auch dort wird der Umsatz in diesem Jahr aufgrund rückläufigen Absatzes bei Kunden und Endkunden zurückgehen.

Chemikalien sind wegen niedrigem Ölpreis am stärksten gesunken

Innerhalb der Industrie verzeichnet der Chemiesektor den stärksten Umsatzrückgang. Die fünf großen niederländischen Chemie-Cluster produzieren weiterhin, aber die Auswirkungen der Coronakrise waren für international operierende Rohstofflieferanten schon früh spürbar, obwohl verschiedene Unternehmen mit der Produktion von Desinfektionsmitteln begonnen haben und eine hohe Nachfrage nach Plexiglas besteht. Darüber hinaus stehen die Umsätze aufgrund des fallenden Ölpreises unter Druck. Als wichtigster Rohstoff für chemische Produkte führt dies schließlich zu niedrigeren Produktionspreisen.

Diverses Bild für die Technologie- und Fertigungsindustrie

In der Technologie- und Fertigungsindustrie ist das Bild differenzierter. Die meisten Unternehmen im Bereich Automotive haben ihre Produktion Ende April/Anfang Mai wieder hochgefahren, aber auch in diesem Basisszenario werden weniger Autos verkauft und das Investitionsniveau der Unternehmen geht zurück. Während sich die Situation für einige Fertigungsunternehmen verbessern wird, werden andere die Auswirkungen längerer Laufzeiten nach dem zweiten Quartal erst richtig zu spüren bekommen. In diesem Szenario folgt eine breite Erholung, aber ein Umsatzrückgang lässt sich nicht vermeiden.

Unser zweites Szenario ist eine Variante des Basisszenarios. In der zweiten Jahreshälfte kommt es zu einer zweiten Viruswelle, trotz eines umfassenderen Einsatzes von Testkapazitäten und Kontaktforschung. Dadurch treten manche Coronamaßnahmen wieder in Kraft. Inzwischen gibt es jedoch Erfahrungen, wodurch man zielgerichteter reagieren und ein großer Teil der Wirtschaft weiterlaufen kann.

Bis September verläuft dieses Szenario für die Industrie genauso wie das Basisszenario. Bei einer zweiten Welle werden die gleichen Sektoren mit direktem persönlichem Kontakt beim zweiten Einbruch wieder hart getroffen, wie zum Beispiel das Gastgewerbe, die Reise- und Luftverkehrsbranche. Aufgrund des langfristigen Charakters dieses Szenarios steigt die Unsicherheit. Unternehmen verschieben Investitionen auf längere Zeit oder setzen diese sogar ganz aus und Verbraucher sind bei größeren Anschaffungen wie etwa bei Autos zurückhaltend. In diesem Fall wird die Industrie einen anhaltenden Umsatzrückgang erleben, der sich bis ins Jahr 2021 fortsetzen wird, gefolgt von einer langsameren Erholung.

An diesem Beitrag haben mitgewirkt:

  • Produktion: Emma van Harten und Leandra Marzluff
  • Partnerships: Derk Marseille
  • Redaktion: Bertus Bouwman und Peter Oehmen (sprachliche Adaption)

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