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Coronakrise ist der richtige Moment, die Industrie zu digitalisieren

Hersteller müssen die Coronakrise besser für Digitalisierung und Innovationen nutzen, findet der Unternehmer Herman van Bolhuis, Gründer der Fieldlabs 3D Makers Zone und Bouwlab R&Do. „Leute, das können wir besser.“

Alle Wertschöpfungsketten werden digitalisiert, sagt Herman van Bolhuis. Voller Begeisterung nennt er ein Beispiel. „Früher stellte man ein Motorenteil her und jemand anderes war gut im Bereich Verfahren. Zusammen sorgte man dafür, dass hunderttausend Teile hergestellt wurden. Die gingen dann in den Großhandel und der lieferte sie wieder an die Einzelhändler in der ganzen Welt, sodass sie überall vorrätig waren. Inzwischen stehen uns alle notwendigen digitalen Lösungen zur Verfügung. Jetzt ist die Frage, ob Lagerhaltung überhaupt noch notwendig ist. Ein digitales Lager ist großartig. Wenn man das Teil dann irgendwo drucken lassen kann, benötigt man keine Lager mehr, kein Umschlag, kein Import, keine Einklarierung usw.“

Neue Wirtschaftslogik durch Digitalisierung

Das bedeutet, dass die Rolle des Menschen in Prozessen kleiner wird, erklärt er. „Ob Sie maschinelles Lernen, Robotisierung oder Virtual Reality betrachten, dies sind alles Formen, wobei der Mensch nicht mehr im Mittelpunkt steht, sondern die Maschine. Ich bezeichne das manchmal als nicht Menschen zentrierte Technologie. Die sorgt dafür, dass eine Wertschöpfungskette schrittweise digitalisiert wird, bis es eine autonome Kette ist. Wenn das überall passiert, bekommen wir eine Wirtschaft, in der Menschen vollkommen andere Fähigkeiten benötigen. Eine Wirtschaft mit einer anderen Logik, in der sich am Anfang und am Ende der Kette ein Mehrwert befindet. Der Mittelteil der Kette ist problematisch. Die Niederlande waren darin immer sehr stark. Diesen Teil müssen wir wieder neu ausfüllen.“

Neue Rolle des Menschen durch Digitalisierung

Wie könnte eine solche neue Ausfüllung aussehen? Es gibt verschiedene Möglichkeiten. „Man kann sich voll auf den Anfang der Kette stürzen. Für eigenes geistiges Eigentum sorgen. Man erstellt Entwürfe und sorgt dafür, dass sie weltweit auf sichere Art und Weise zur Verfügung stehen. Von jedem, der einen Entwurf drucken will, erhält man eine Provision. Oder man geht ans andere Ende der Wertschöpfungskette und sorgt dafür, dass der Entwurf auch tatsächlich ausgedruckt zu den Kunden gelangt. Man errichtet zertifizierte Produktionsanlagen. Eine Art Copyshop, aber dann mit einer enormen Größe.“

Die geteilte Fabrik

„Dann sieht man, dass man sich zu einer geteilten Herstellung bewegt. Warum sollte eine Fabrik noch eigene Maschinen anschaffen, wenn man sie ohnehin nur einige Male nutzt? Für Unternehmen in der Baubranche und anderen Branchen wird das interessant: Shared Factories in die man gemeinsam investiert.“

„Sehen Sie sich Amazon an. Dort setzte man zusätzliche Server ein, um den Ansturm um die Weihnachtsfeiertage herum stemmen zu können. Anschließend stellte sich heraus, dass man die Server an 350 Tagen im Jahr an andere vermieten konnte, denn die Kapazität war ja sowieso vorhanden. Auf diese Weise sind Cloud-Dienste entstanden, die inzwischen sehr bekannt sind. Dieselbe Logik bekommt man in der Fertigungsindustrie. Dann stehen in einem Betrieb fantastische 3D-Drucker, aber wenn nichts hergestellt wird, können andere diese Drucker nutzen. Ich denke, dass derartige Crossovers an Bedeutung gewinnen werden. Man kann schauen, wo können wir noch eine Rolle spielen?“

Innovieren in der Coronakrise

Es sollte deutlich sein, Herman van Bolhuis sieht für die Digitalisierung eine wesentliche Rolle in der Fertigungsindustrie. „Ich bin ein großer Befürworter der Smart Industry. Es gibt viele Akteure in der mittelgroßen und kleinen Industrie, die großartige Produkte herstellen. Dort finden wirkliche Innovationen mit neuen Technologien wie zum Beispiel 3D-Druck statt. Solche Betriebe müssen wir anregen, erfolgreich zu digitalisieren. Smart Industry ist der Weg, aber auf diesem Weg kann noch mehr Gas gegeben werden.

Deswegen bin ich auch gerne Mitglied des Lenkungsausschusses Smart Industry, um zu betonen: Leute, das müssen wir in den Niederlanden besser machen.“

Herman van Bolhuis ist jeden Tag in Fieldlabs zu finden und sieht womit sich Unternehmer beschäftigen. Wie gehen sie mit der (Post-) Coronazeit um? „Bis auf einige wenige pausieren sie ihre Innovationstätigkeiten. Sie wissen, dass das nicht gut ist, aber trotzdem tun sie es. Sie haben kaum Spielraum. Aber es gibt ein paar, die es trotzdem anders machen. Sie sehen in dieser Zeit gerade als Chance: ‚Wir schauen jetzt, was wir tun können.‘ Dann kann man sich an Smart Industry wenden, um Inventarisierungs- und Machbarkeitsvoucher zu erhalten. Man kann herausfinden, wo die eigenen Chancen liegen. In letzter Zeit wurde das von einigen kleineren Unternehmen oder Start-ups genutzt, aber auch von größeren Unternehmen. Sie sagen: ‚Wenn wir das Blatt jetzt nicht wenden, werden wir es nicht schaffen‘.“

Als Beispiel nennt er ein Bauunternehmen aus der Provinz Noord-Holland. „Sie haben begonnen, Digital Twinning und die Blockchain zu nutzen. Dadurch können Sie die Zirkularität ihrer Projekte ihren Auftraggebern gegenüber einfacher belegen. Auf diese Weise hoffen sie auch wieder neue Aufträge zu gewinnen, weil sie zirkuläres Bauen anbieten und belegen können, während die Konkurrenz noch nicht so weit ist.“

Digitalisierung erfordert Denkarbeit

„Digitalisieren ist eine Herausforderung“, fasst Herman van Bolhuis zusammen. „Für Ihr Geschäftsmodell, weil Sie im Wettbewerb etwas anders auftreten. Für Ihr Personal, weil sich dessen Rolle verändert und anderes Wissen erforderlich ist. Für den Schutz Ihres geistigen Eigentums, weil Sie sich in der Wertschöpfungskette anders profilieren. Digitalisierung erfordert Denkarbeit. Sie bringt aber auch Risiken mit sich. Und Menschen möchten Risiken gerne vermeiden, insbesondere in Krisenzeiten. Trotzdem empfehle ich, genau zu schauen, wo Ihre Chancen liegen. Langfristig wird sich die Digitalisierung eine kostensparend auswirken.“

An diesem Beitrag haben mitgewirkt:

  • Produktion: Emma van Harten
  • Partnerships: Derk Marseille
  • Redaktion: Bertus Bouwman und Peter Oehmen (sprachliche Adaption)

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