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Floating Farm: Der Übergang hin zu gesunderen und nachhaltigeren Lebensmitteln

Wie bringt man zirkuläre Landwirtschaft ins Zentrum der Stadt? Der Pionier Peter van Wingerden von Floating Farm erhält weltweites Aufmerksamkeit für seine innovative, schwimmende Farm im Rotterdamer Hafen.

Pionier, Idealist und Optimist. Wer die Gelegenheit erhält, sich mit dem CEO von Floating Farm, Peter van Wingerden, zu unterhalten, wird schnell feststellen, dass sich dieser Unternehmer auf einer Mission befindet. Er spricht mit Leidenschaft über ein scheinbar einfaches Konzept: gesunde und nachhaltige Lebensmittel dort zu produzieren, wo die Menschen wohnen. Also in den Städten. Und: auf dem Wasser. Der schwimmende Bauernhof befindet sich seit 2019 im Rotterdamer Hafen. „Wasser ist ein universelles Produkt und der große Vorteil ist, dass es extrem skalierbar ist. Außerdem können wir das, was wir jetzt hier tun, morgen überall auf der Welt tun. Das Interesse an unserem Konzept wird immer größer. Erst vor Kurzem aus China. Ob wir ein Angebot für zweihundert schwimmende Höfe erstellen könnten.“

Das Startup Floating Farm hat das Potenzial, sich zu einem weltweiten Erfolg zu entwickeln. Dass es dafür eine Zukunft gibt, wurde Van Wingerden erneut bestätigt, als er die verheerenden Auswirkungen des Hurrikans Sally in den Vereinigten Staaten sah. Überschwemmte Städte, leere Ladenregale und keine Möglichkeit, sich zu versorgen. „Auch wenn man Milliardär ist und im teuersten Haus wohnt, braucht man etwas zu essen. Das hat mein Leben wirklich auf den Kopf gestellt. Als ich das sah, dachte ich, dass es doch einen anderen Weg geben muss.“

Ergriffen von gesellschaftlichen Herausforderungen

Van Wingerden arbeitete jahrelang in der Wirtschaft und gründete dann sein eigenes Automatisierungsunternehmen. Er verkaufte es und begann mit einer kleinen Gruppe von Leuten „verrückte Gebäude auf dem Wasser“ zu bauen. So entstand eine schwimmender Bauernhof in der Stadt, um die Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen. „Was wir hier machen, ist so etwas Schönes. Ich fühle mich von gesellschaftlichen Themen wie Klimawandel, Kreislaufwirtschaft und gesunder Ernährung sehr angezogen. Vor Corona waren wir hauptsächlich auf dem Business-to-Business-Markt tätig. Wir brachten unsere Milchprodukte zu den Geschäften und De Kuip und brachten die Orangenschalen und das Gras zum Recycling wieder mit zurück. Die Kinder, die zu uns auf den Hof kommen, hören diese Geschichte und sind begeistert. Manche haben noch nie zuvor eine Kuh gesehen. Der Energydrink wird gegen ein Glas Milch eingetauscht. Zu zeigen, wie Lebensmittel hergestellt werden und wie wir uns um die Tiere kümmern, passt zu unserer Philosophie, transparent und lehrreich zu sein. Wir haben den nachhaltigsten Stall der Niederlanden mit viel Robotertechnik. Unser Hofladen ist wie ein sozialer Treffpunkt. Wir verkaufen zum Beispiel auch Rohmilch, aus der die Leute ihren eigenen Käse machen. Den lassen Sie dann bei uns wieder probieren.“

Die Herausforderung der Gesetzgebung und Regulierung

Wegen Corona musste auch die Floating Farm vorübergehend ihre Türen schließen. Der gewerbliche Markt kam zum Erliegen und das Unternehmen wechselte auf den Verbrauchermarkt. „Zum Glück dürfen wir jetzt wieder Leute begrüßen und auch die Nachfrage der Wirtschaft steigt wieder an. Wie werden wir dieser wachsenden Nachfrage nachkommen? Das ist, vorsichtig ausgedrückt, noch eine „kleine Herausforderung“. Wir haben Pläne für eine Erweiterung und eine zweite schwimmende Farm. Andere Städte – Amsterdam, Arnheim, Vlissingen und Haarlem – sind ebenfalls interessiert. Ich bin von diesem Konzept überzeugt, aber es wird uns durch die Gesetze und Vorschriften nicht leicht gemacht. Unser Genehmigungsantrag wird genauso behandelt wie der Bau eines großen Wohnkomplexes im Stadtzentrum. Ich verstehe das. So ist das System nun einmal, aber ich hätte es gerne anders. Wir weichen von allem ab, was wir uns gemeinsam ausgedacht haben. Geben Sie uns Raum für Innovationen und Experimente. Wir sind eine der Ikonen in dieser Stadt. Jeden Monat kommen vierzig bis fünfzig Gruppen aus der ganzen Welt zu uns. Wenn wir der Welt durch diese Art der „Landwirtschaft“ helfen können, ist das doch fantastisch.“

„In diesem Land ist es unwahrscheinlich schwierig, etwas zu machen, das von der Norm abweicht.“

Es besteht das Risiko, dass Unternehmen wie Floating Farm in andere Länder abwandern, in denen mehr Handlungsspielraum besteht. Van Wingerden hat nicht die Absicht, das zu tun, erwähnt aber ein typisches Beispiel. „Kühe produzieren Gülle. Und Gülle ist ein heikles Thema, auch in der Politik. Wir trennen die trockenen und feuchten Substanzen, denn Gülle enthält auch Nährstoffe. Der Urin einer Kuh besteht zu neunzig Prozent aus Wasser. Das holen wir heraus und es bleibt Salz für die Pflanzen übrig. Das lagern wir in einem Container. Ich bekomme einen Anruf: ‚Ob wir eine Genehmigung dafür haben?‘ Ich verstehe die Frage, aber gleichzeitig: Hier stehen 12 Millionen Container! Das sind Gespräche, die ich ständig führen muss. Das werde ich auch weiterhin tun müssen, denn wir machen mit diesem Konzept weiter. Auch wenn wir manchmal ein wenig gegen die Regeln verstoßen müssen. Es ist wichtig, etwas Gutes für die Welt zu tun und diese Reise ist für mich noch lange nicht zu Ende.“

Über Floating Farm

In Rotterdam wurde der erste schwimmende Bauernhof der Welt errichtet. Prioritäten sind Tierwohl, Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeit und Innovation. Gesunde Lebensmittel in den Städten produzieren, nahe am Verbraucher. Floating Farm nennt dies „Transfarmation“.

Für Floating Farm ist es wichtig, Lebensmittelverluste zu reduzieren, den Transport von Lebensmitteln zu verringern und die Lebensmittelqualität zu verbessern. Aber natürlich auch Tierwohl, Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeit und Innovation. Bringen Sie den Bauernhof zurück in die Stadt als Teil einer sauberen, lebenswerten und bewussten urbanen Transformation.

Floating Farm steht für zirkuläre Landwirtschaft: Ein großer Teil der Nahrung unserer Kühe besteht aus organischen Reststoffen aus der Stadt. Gefüttert werden die Kühe mit Braumalz aus verschiedenen Rotterdamer Brauereien, mit Kleie aus Schiedamer Mühlen, mit Gras von Sportplätzen in der Nachbarschaft und mit Kartoffelschalen von einem lokalen Verarbeiter.

Bild für Floating Farm: Der Übergang hin zu gesunderen und nachhaltigeren Lebensmitteln

An diesem Beitrag haben mitgewirkt:

  • Produktion: Emma van Harten
  • Partnerships: Derk Marseille
  • Redaktion: Bertus Bouwman und Peter Oehmen (sprachliche Adaption)

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