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Innovationen in Europa sind durch gute Zusammenarbeit möglich

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Gute Ideen werden viel zu häufig durch veraltete Strukturen und Finanzierungsmangel behindert. Der Niederländer John Frijters arbeitet als Business Consultant für Synvio Medtech Consulting in Göttingen und berät Medtech Unternehmen und Startups in Deutschland und Europa.

Davor war er unter anderem als Leiter Business Development von Berlin aus für ReWalk Robotics tätig. Das Unternehmen hat durch den „Roboteranzug“ für Rollstuhlfahrer internationale Bekanntheit erlangt. Er plädiert für eine bessere Zusammenarbeit, um Innovationen in Westeuropa zu erhalten.

Der Niederländer John Frijters wohnt und arbeitet bereits seit 20 Jahren in Deutschland. Von 2010 bis Anfang 2018 war er Verkaufsdirektor der europäischen Niederlassung von ReWalk Robotics in Berlin. Heute arbeitet er als Business Consultant für die Synvio Medtech Consulting in Göttingen und berät Medtech Unternehmen und Startups beim Aufbau in Deutschland und Europa.

ReWalk Robotics, das ursprünglich israelische Unternehmen aus der Medizintechnologie, stellt Roboteranzüge für Personen her, die an den Rollstuhl gebunden sind, damit sie sich auf eine neue Art bewegen können.

Die Filme über gelähmten Personen, die mit der bionischen Gehhilfe wieder gehen können, gehen seit 2012 um die Welt. Die Story begeistert sowohl den Nutzer als auch das allgemeine Publikum. Daher ist es selten schwer einen Gesprächstermin zu erhalten, um dieses Produkt präsentieren zu dürfen. „Jeder findet, dass es eine tolle Geschichte ist. Es ist eine fantastische Technik. Allerdings kostet diese Technik sehr viel Geld. Es ist daher nicht immer einfach, Pflegeversicherungen und Ärzte vom Einsatz dieses Geräts zu überzeugen.“ Gute Argumente, Fakten und Wissen über Kostenerstattung sind hier gefragt.

Roboteranzug bringt gelähmte Menschen wieder in Bewegung

Die Erfindung stammt von Dr. Amit Goffer. Er hatte 1998 einen Unfall mit einem Quad und wurde dadurch vom Nacken an abwärts gelähmt. Der israelische Arzt saß seither in einem elektrischen Rollstuhl und empfand dadurch viele Nachteile, berichtet John Frijters. „Der elektrische Rollstuhl ist ein großes, schwerfälliges Ding. Man ist nicht mehr flexibel. Dr. Goffer hatte das Gefühl, dass, die Leute ihn gar nicht oder deutlich weniger ernst nahmen, sie hatten Mitleid mit Rollstuhlfahrern. Sie beachteten einen nicht und redeten gleich mit dem Begleiter, obwohl man geistig nicht beeinträchtigt ist“, so Frijters über die Motivation von Dr. Goffer, diesen Roboteranzug zu entwickeln. Ein weiteres großes Problem ist die mangelnde Bewegung, die nötig ist um den Körper aktiv zu halten. Immer zu sitzen, ist ungesund.

Aus diesem Grund entwickelte Goffer einen Roboteranzug, erzählt er. „Man benötigt weniger Platz, man steht auf Augenhöhe und die Menschen betrachten einen nicht mehr als bedauernswert, sondern sehen einen viel mehr als kräftigen ‚Robocop‘. Außerdem kann man sich wieder für einige Stunden am Tag aufrecht bewegen.“ Seit der Gründung im Jahr 2001 wurden sechs Generationen des ReWalk hergestellt. „Der Durchbruch in Deutschland kam, als ReWalk Robotics die Kosten für die Erprobung bei zertifizierten Trainingszentren für einige Personen in Deutschland von der Versicherung erstattet bekommen hat.“ Dadurch war es möglich den Nutzen und die Funktionalität zu zeigen.

Die ersten Rollstuhlfahrer haben inzwischen einen ReWalk zur persönlichen Nutzung zu Hause und können jetzt jeden Tag gehen. „Das ist ein fantastisches Ergebnis und der Beginn einer großartigen Zukunft für viele Patienten, die jetzt noch in einem Rollstuhl sitzen, aber in Zukunft wieder gehen können.“

Innovationen dauern in Europa zu lange

Der Niederländer sieht viele interessante Startups und Unternehmen, die an Innovationen im Gesundheitsbereich arbeiten. Nicht nur in Berlin, sondern in ganz Deutschland und in den Niederlanden. Aber etwas ärgert ihn. „Viele dieser neuen Ideen werden durch alte Strukturen oder durch Finanzierungsmangel behindert.“

Ein Problem, mit dem ganz Europa kämpft, sagt er. „Es dauert hier im Moment viel zu lange, bevor eine neue Idee aufgenommen wird. Dadurch laufen die Kosten auf.“ Frijters findet, dass zu viel Geld in den Beweis gesteckt wird, dass eine Idee funktioniert. „Während man dieses Geld auch zum vermehrten Testen von Innovationen ausgeben könnte.“ Ein ernsthaftes Problem, sagt er. „Wenn Innovationen immer weniger aus Westeuropa kommen, wandern sie in andere Teile der Welt ab.“

Auf der anderen Seite sieht er, dass europäische Lieferanten sich trauen mitzudenken. „Sie sind in einer Testphase wohl bereit, ein bestimmtes Scharnier oder eine Schraube zu liefern. Keine Serie mit 400 Stück, sondern nur 4 Stück.” Moderne Unternehmen in der Gesundheitstechnologie müssen sich Frijters zufolge daher auch nicht mehr auf einem Firmengelände verstecken. „Unser Produktentwickler kann seinen Entwurf aus einem Café an einen 3D-Drucker senden, der Prototyp wird dann per Kurier versendet.“

Dieser Trend wirkt sich auf die Medizinwelt aus, sagt er. „Die Do-it-yourself-Prothese gibt es schon. Man erhält einen Bausatz und man baut seine neue Hand an einem geselligen Nachmittag zusammen mit Freunden und der Familie. Das wirkt sich auch auf die Kosten aus.“

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