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Mangel an technischen Fachkräften? So begeistert man den Nachwuchs

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Der Mangel an technischen Fachkräften ist in Deutschland und den Niederlanden ein großes Problem. Im niederländischen Harderwijk hat das Fieldlab Industrial Robotics eine besondere Lösung für dieses Problem gefunden.

Das Smart Industry Fieldlab Industrial Robotics (IR) in Harderwijk wurde 2017 mit dem Ziel gegründet, dem Mangel an Fachwissen zu Robotern auf dem Arbeitsmarkt entgegenzuwirken.

Rik Grasmeijer vom Fieldlab Industrial Robotics ist eine der führenden Persönlichkeiten bei der Organisation von zertifizierten Kompetenzprogrammen. Grasmeijer: „Einen Mittelständler kann man treffen, wenn ein Absolvent hereinkommt und fragt, ob man hier noch alles von Hand macht. Das machen wir sogar bei uns in der Schule mit einem Roboter!“

1. Was ist der Zweck des Fieldlab Industrial Robotics?

„Einen Überblick über industrielle Robotik in Bildungseinrichtungen zu erhalten, indem Wissen und Materialien entwickelt werden und gleichzeitig dafür gesorgt wird, dass Programme damit in Kontakt kommen.“

2. Warum ist das so wichtig?

„Wir sind schon seit fast 40 Jahren in der industriellen Robotisierung tätig und auf dem Arbeitsmarkt gibt es noch immer zu wenige Kandidaten mit dem entsprechenden Fachwissen. Und das, während Unternehmen zunehmend robotisierte Automatisierung einsetzen wollen und müssen. Im Laufe der Jahre haben wir uns viel Wissen angeeignet, aber nur wenig davon ist in Bildungsprogrammen festgelegt. Außerdem gibt es keine eindeutigen Richtlinien dazu, was jemand, der sich selbst Roboterprogrammierer nennt, genau kann. Man muss sich vorstellen, wie schwierig es für jemanden aus einer HRM-Abteilung ist, jemanden mit den richtigen Fähigkeiten einzustellen. Hatten Sie einen zweitägigen Kurs bei einem Hersteller oder hatten Sie eine sechsjährige und universitäre Ausbildung, beide können sich Roboterprogrammierer nennen? Ein System, das Aufschluss darüber gibt, auf welcher Ebene die Menschen ausgebildet wurden, macht dies wesentlich einfacher. In dieser Hinsicht ist die Robotisierung eigentlich immer noch ein „rückständiges“ Fachgebiet, wo viele Unternehmen immer noch die gleichen Fehler machen. Es wird zwar danach geschaut, wie es noch besser oder exotischer geht, aber es erfolgt keine empirische Untersuchung der Best Practices, um generisches Wissen zu entwickeln. Das wollen wir ändern.“

3. Wie ist das Fieldlab IR entstanden?

„Eigentlich aus einer praktischen Notwendigkeit heraus. Piet Mosterd, Mitinhaber von AWL Techniek, hat selbst erlebt, wie schwierig es war, gute Roboterprogrammierer zu finden. Mit 700 Mitarbeitern ist AWL ein führender Anbieter von robotergestützten Produktionssystemen in der Automobilindustrie. Es hat inzwischen eine eigene 100-tägige Schulung zum Roboterprogrammierer, und Piet dachte, es wäre eine gute Idee, das den Forschungsbereich von AWL zu Robotern auch für Schulen zugänglich zu machen. „Auf diese Weise konnte das, was wir hier tun, auch an die niederländische Wirtschaft weitergegeben werden.“

4. Was passiert im Fieldlab?

„Mit der Stiftung Fieldlab Robotics konzentrieren wir uns auf drei Aspekte: Wissen entwickeln, Wissen vermehren und Wissen in zertifizierten Schulungen für Fachoberschulen und Fachhochschulen sichern. Letztendlich wollen wir, dass dieses Wissen in den gesamten Niederlanden verfügbar ist. Wir sammeln gute Beispiele von unseren Partnern/Führungskräften und lassen dies durch Weiterbildungen in Unternehmen einfließen. Im Fieldlab haben wir Roboter, wir können Firmen und Schulen empfangen, die dann testen, entwickeln und ausprobieren können. Außerdem organisieren wir Workshops, Symposien und den „Tag der Robotik“ für Studenten und Unternehmen. „Die Veranstaltungen sind voll, auch mit Unternehmern.“

5. Was sind die Herausforderungen des Fieldlab IR?

Die Ausbildung von Dozenten ist von entscheidender Bedeutung. Die Ausbildungsgänge erfordern mehr als einen Dozenten und die Ausbildung dieser Dozenten ist angesichts des Mangels an technischem Lehrpersonal manchmal schwierig. Außerdem ist es sehr wichtig, alle schnellstmöglich in dieselbe Richtung auszurichten: Man muss sehr schnell eine Verbindung zu einer geschäftlichen Fragestellung herstellen und sich nicht die Programmierung des Roboters in den Mittelpunkt stellen. Schließlich geht es um den Einsatz von Robotik im Produktionsprozess und nicht um den Einsatz von Robotik, um menschliches Handeln zu verringern.

6. Was genau ist eigentlich ein Fieldlab?

Fieldlabs sind Praxisumgebungen, in denen Unternehmen und Wissenseinrichtungen zielgerichtet Smart-Industry-Lösungen entwickeln, testen und implementieren. Sie bilden auch eine Umgebung, in dem die Menschen lernen, diese Lösungen anzuwenden. Darüber hinaus stärken sie die Verbindungen zu Forschung, Bildung und Politik zu einem bestimmten Thema der Smart Industry. Derzeit sind 39 Smart Industry Field Labs in den Niederlanden aktiv [pdf].

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Bild: Rik Grasmeijer vom Fieldlab Industrial Robotics

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