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Niederlande spielen beim Übergang vom Auto zum Hightech-Fahrzeug eine wichtige Rolle

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Wenn jemand weiß, wie eng die niederländische Automobil-Zulieferindustrie mit der deutschen Automobilindustrie verbunden ist, dann ist es Eddy van der Vorst. Er organisierte den Holland Hightech Pavillon auf der IAA in Frankfurt im Namen der RAI Automotive Industry, die mit ihrem Gründungsjahr 1893 als älteste Mobilitätsvereinigung der Welt gilt.

Er selbst bewegt sich bereits seit über 50 Jahren in der Welt der internationalen Automobilzulieferer. Neben seinem Engagement bei der RAI, ist er in Brüssel im Namen der niederländischen Automobil-Zuliefererindustrie als Mitglied im Vorstand des europäischen Dachverbands Clepa aktiv.

Das ausgerechnet die älteste Mobilitätsvereinigung einen Stand in der Halle New Mobility World hat, in der es um die Zukunft der Mobilität geht, ist nicht verwunderlich, findet Van der Vorst. „Wir haben uns in den vergangenen Jahrzehnten von einer Fertigungs- zu einer Wissensindustrie entwickelt und halten international mit der Hightech-Spitze mit.“

Deutsche Automobilindustrie noch immer an der Spitze

Bei der Entwicklung des Autos von einem mechanischen Produkt zu einem Hightech-Fahrzeug spielt die niederländische Industrie eine große Rolle, so der Autolobbyist. „Etwa 90 % aller Innovationen in der Automobilindustrie werden zuerst in den Fahrzeugen der deutschen Premiummarken eingesetzt. Sie setzen auffallend häufig holländische Hightech-Lösungen ein.“

Die deutsche Automobilindustrie wird in den letzten Jahren oft kritisiert. Viele Experten behaupten, dass die Deutschen von den Amerikanern und den Japanern eingeholt werden. Aber van der Vorst ist anderer Meinung. „Mein Sohn fährt einen Tesla, daher weiß ich einigermaßen, worüber ich spreche. Trotz des großartigen Designs und der großen Zugänglichkeit, erreicht Tesla die deutschen Automarken in Bezug auf Verarbeitung und Technik nicht.“

Holländische Hightech-Lösungen in jedem Auto

„Auf der IAA war ein umfassender Überblick über die niederländischen Innovationen zu sehen“, sagt Van der Vorst. „Blicken Sie einmal über den Tellerrand hinaus, wie zum Beispiel beim Helikopterauto von PAL-V. Jetzt, da sie alle Luftfahrtzertifikate erhalten haben, können Sie auf den Markt.“

Beim großen Publikum sind viele niederländische Zulieferer eher weniger bekannt, spielen aber in der internationalen Autowelt eine große Rolle, sagt er. „Zum Beispiel ist Innolux Weltmarktführer bei Bildschirmen. Das ist ein ehemaliger Geschäftsbereich von Philips, der nahezu alle Autohersteller beliefert. Die Zeit von analogen Anzeigen ist vorbei, alle Autos stecken voller Bildschirme und die werden bei Innolux in Heerlen entwickelt und unter anderem im Werk in Taiwan hergestellt.“

Deutsche Hersteller finden den Weg in die Niederlande

Deutsche Autohersteller treiben Innovationen voran und die niederländischen Unternehmen stehen in der ersten Reihe, sie dabei zu unterstützen. „Denken Sie zum Beispiel an Tass International, das Unternehmen liefert Software, um autonomes Fahren zu fördern. Oder Tata Steel, das besondere Stahlsorten entwickelt, die unter anderem zur Gewichtsreduzierung und zur Erhöhung der Sicherheit von Elektrofahrzeugen beitragen. Oder sehen Sie sich Inalfa Roof Systems aus Venray an. Sie sind Weltmarktführer im Bereich Panoramadächer, damit mehr Licht ins Auto gelangt.“ Er weist auch auf Prodrive Technologies aus Eindhoven hin. „Sie stellen Feinstaubmessgeräte her, die inzwischen in die ersten „Premiumfahrzeuge“ eingebaut werden.

Das sind nur einige der vielen heimlichen, niederländischen Gewinner, sagt Van der Vorst. „Wir haben viele Second-Tier-Hersteller, die First-Tier-Zulieferer beliefern. In den Niederlanden sind das Tata Steel, DSM und NXP. Die Chips von NXP sind zum Beispiel sehr wichtig für „Talking-Traffic“-Systeme. Aber auch gewichtseinsparende Kunststoffe von Polyscope, Lacke von AkzoNobel oder Wabenstrukturen von Axxor aus Zwolle tragen zu sparsameren Autos bei.“

Behörden werben für die Niederlande als Testland

Nicht unwichtig ist das große Engagement von Bildungseinrichtungen und Behörden bei den Unternehmen, sagt er. „Die Niederlande sind das erste Land mit Lösungen für „Talking Traffic“, das bedeutet, dass Autos untereinander und mit den Verkehrseinrichtungen kommunizieren, aber auch Fußgänger oder Radfahrer identifizieren. Eine Ampel erkennt dann zum Beispiel über Ihr Telefon, dass Sie sich der Ampel nähern. Dadurch schaltet die Ampel für Sie schneller auf grün und Sie müssen nicht unnötig auf eine Nebenstraße warten, in der kein Verkehr herrscht.“

Die Niederlande wollen sich ebenfalls als Testland für autonomes Fahren profilieren. „Das machen wir jetzt auf einem Streckenabschnitt zwischen Helmond und Eindhoven. Außerdem stehen wir beim Platooning an vorderster Stelle, wobei Lastwagen in einer Kolonne fahren und automatisch Abstand halten.“

Studententeams weltweit erfolgreich

Die Rolle der Bildung zeigt sich auch durch die erfolgreichen Studententeams der Technischen Universitäten Delft, Enschede und Eindhoven sowie der Hogeschool van Arnhem und Nijmegen (HAN). „Sie gewinnen internationale Wettbewerbe mit innovativen Kraftstoff-, Antriebs- und Mobilitätslösungen. Dadurch werden Sie auf das Arbeitsleben vorbereitet.“

Der Autolobbyist verweist auf die niederländischen Solarteams, die bereits seit Jahren bei den Weltmeisterschaften mit Solarautos in Australien erfolgreich sind. „Darüber hinaus gewann zum Beispiel das Green Team aus Twente kürzlich das Eco-Race in London mit einem Auto, das einen Liter Wasserstoff auf 1.000 km verbraucht und in Helmond wird ein elektrischer LeMans-Rennwagen gebaut.“

Einige Mitglieder des Eindhovener Solarteams sind kurz nach dem Studienabschluss in die Wirtschaft gegangen, erzählt Van der Vorst. „Team Lightyear bereitet die Produktion für das erste kommerzielle Solarauto für Verbraucher vor. Und Team FAST stellt einen Bus her, der mit Ameisensäure angetrieben wird. Auch das Team Ecomotive kam mit Lina, einem vollständig recycelbaren Auto, zur IAA in Frankfurt. Die Karosserie besteht unter anderem aus Flachs.“

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