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German-Dutch Smart Industry Collab 3D Printing

Deutsch-niederländische Zusammenarbeit notwendig, um Chancen von additiver Fertigung zu nutzen


Die Möglichkeiten additiver Fertigung werden in der Industrie mehr und mehr entdeckt. Doch um dem 3D-Druck in der Industrie wirklich einen Schub zu verleihen, ist eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den Niederlanden erforderlich, wie bei der deutsch-niederländischen Smart Industry Collab – 3D Printing deutlich wurde.

In den vergangenen Jahren hat der 3D-Druck einen festen Platz in der Industrie eingenommen. Allerdings ist es noch ein weiter Weg, bis die Vorteile von Additive Manufacturing (AM) voll ausgeschöpft werden. Daher kamen deutsche und niederländische Pioniere bei der deutsch-niederländischen Smart Industry Collab – 3D Printing zusammen. Ein Online-Treffen, um sich über Herausforderungen auszutauschen und ein erster Schritt für grenzüberschreitende Innovation.

Dass 3D-Druck in der deutschen Industrie im Kommen ist, zeigt sich daran, dass der VDMA einen eigenen Branchenverband für Additive Manufacturing gegründet hat. Dr. Irene Skibinski ist Expertin in der Arbeitsgruppe AM im VDMA und führt umfangreiche Recherchen unter den 180 Mitgliedsunternehmen durch. „Die Stimmung ist ausgezeichnet. 95 % gehen davon aus, in den nächsten zwei Jahren in AM zu investieren. 3D-Druck wird immer noch hauptsächlich für die Herstellung von Prototypen eingesetzt, aber wir sehen eine schnell wachsende Einsatz in der Serienproduktion. Ein Zeichen dafür, dass diese Technik ausgereift ist.“

Für sie ist es sehr wichtig, die Zusammenarbeit innerhalb der Sektoren zu stärken, auch zwischen den beiden Nachbarländern, wie zum Beispiel durch die deutsch-niederländische Smart Industry Collab – 3D Printing. „Wir müssen verstärkt zusammenarbeiten, um weiterzukommen.“

Die Herausforderungen liegen ihrer Meinung nach in der Marktakzeptanz, der technologischen Entwicklung, dem verstärkten Einsatz von 3D-Druck in der Serienproduktion und bei neuen Anwendungen.

3D-Druck kann digitale Ketten schließen

Stefan Neudecker vom Verband 3DDruck e.V. und Professor für Industriedesign an der Folkwang Universität in Essen ist Experte für die Anwendung von 3D-Druck im Bauwesen, erforscht aber auch neue Geschäftsmodelle für AM in anderen Bereichen.

Für ihn besteht eine der größten Herausforderungen darin, die digitale Kette in einer Branche wie dem Bauwesen zu schließen. „Die Branche arbeitet oftmals noch sehr traditionell. Mit der Integration von 3D-Druck lassen sich bereits viele Prozesse digital miteinander verbinden.“

Neudecker zeigt am Beispiel von drei Unternehmen Lösungen und Herausforderungen in der Branche auf. „Wir müssen wirklich an der Akzeptanz von AM in der Industrie arbeiten. Vieles ist bereits möglich und wir schöpfen bei Weitem noch nicht das volle Potenzial aus. Um dies zu erreichen, bedarf es mehr Zusammenarbeit.“

Wenn Unternehmen mehr zusammenarbeiten, werden auch einige dringend benötigte Entwicklungen angeregt, sagt er. „Wir haben zum Beispiel ein Unternehmen, das eine sehr innovative Technik erfunden hat, aber das Material ist nicht recycelbar, sodass dafür eine andere Lösung gefunden werden muss.“

Hagen Tschorn von 3D Canto hat mit seinem Unternehmen 25 Jahre Erfahrung und ist damit ein Pionier in der deutschen 3D-Druckwelt. Auch er sieht eine große Herausforderung darin, die Industrie von den Möglichkeiten von Additiver Fertigung zu überzeugen. „Die Industrie neigt dazu, das zu tun, woran sie gewöhnt ist, das müssen wir ändern.“

Er sieht einen deutlichen Anstieg der Verkäufe von 3D-Druckern im mittleren Preissegment, was seiner Meinung nach darauf hindeutet, dass viele Unternehmen experimentieren.  „Die Entwicklung geht in die richtige Richtung, aber könnte für mich noch etwas schneller gehen.“ 

Brainport AM Factory arbeitet an Integrationsökosystem

Bei Brainport Development arbeitet Ruben Fokkema daran, das Ökosystem rund um Eindhoven für die deutsche Industrie zu öffnen. „Allein auf dem Brainport Industries Campus haben wir 30 AM-Unternehmen, in der Umgebung von Eindhoven sind es 70. Dabei handelt es sich um ein ganzes Ökosystem von Unternehmen aus allen Bereichen der AM-Lieferkette, die sich gut kennen und bereits zusammenarbeiten.“

Die Integration der Lieferkette ist entscheidend für die Entwicklung der AM-Branche, sagt Fokkema. „Die Lieferkette ist immer noch zu fragmentiert. 3D-Druck ist in aller Munde, aber es bedarf Führung, um den Sektor in Europa besser zu integrieren.“

Deswegen arbeiten Fokkema und sein Team an der Brainport AM Factory, in der verschiedene Unternehmen unter einem Dach eng zusammenarbeiten. „Wir kombinieren verschiedene Produktionslinien, um die Herausforderung ‚hoher Mix, hohes Volumen‘ zu meistern.“

Dazu strebt er eine enge Zusammenarbeit mit deutschen Parteien an. Deutschland ist stark in den Bereichen Materialien, Software und Nachbearbeitung. Von den Niederlanden aus können wir das mit unserem unternehmerischen Ökosystem und der AM Factory verstärken, worin wir neue Formen der Zusammenarbeit integrieren können.“

Die ersten deutschen Parteien haben sich bereits dem Brainport-Netzwerk angeschlossen. Was Fokkema betrifft, kann der Austausch auf der nächsten Formnext in Frankfurt, wo das niederländische Ökosystem wieder mit einem eigenen Stand vertreten sein wird, weiter vertieft werden.

Wie der VDMA in Deutschland setzt sich auch der niederländische Fachverband FME für die Förderung von AM in der Industrie ein. Diese ist die Aufgabe von Amber Fiechter, die darüber berichtet, wie sie daran arbeitet, die Marktakzeptanz zu erhöhen. „Wir setzen uns für die Einführung von Normen und Standards ein, die Ausbildung von Fachleuten ist entscheidend, aber auch der Austausch von Wissen über die Möglichkeiten innerhalb der Branche.“

Smart Industry Collab – 3D Printing: positive Teilnehmerstimmen

Ron Verleun von PartsonDemand verfolgt die Präsentationen mit großem Interesse. „Deutschland ist für uns sehr interessant. Ich freue mich, zu hören, dass so viel passiert. Wir wünschen uns auf jeden Fall eine stärkere grenzüberschreitende Zusammenarbeit.“

Das gilt auch für Pieter Ruijssenaars, CEO von DiManEx aus Amsterdam. „Ich möchte einen gemeinsamen Kundenstamm mit deutschen Parteien suchen. Wir können uns gegenseitig weiterhelfen. Auf diese Weise ist es wahrscheinlicher, dass man gemeinsam die Probleme entdeckt und Lösungen findet, die notwendig sind.“

Philippe Reinders Folmer, Geschäftsführer von Renishaw Benelux, stimmt dem zu. „Wir müssen stärker zusammenarbeiten, um mehr zu erreichen.“ Und Erik van de Garde, CEO von Oceanz, fragt sich, welche Schwierigkeiten bei einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit bestehen.“

Juan Vertelman von Atum3D arbeitet bereits mit einigen großen deutschen Unternehmen zusammen. „Wir freuen uns, mit kleinen und mittleren Unternehmen ins Gespräch zu kommen.“ Ruissenaars fügt hinzu, dass niederländische Parteien in Deutschland einen besonderen Mehrwert bieten müssen. „Ansonsten kommt man dort nicht einfach so rein.“

Veranstalter Sjoerd Keijser von FME ist mit dem Verlauf dieses Treffens zufrieden. „Das macht Appetit auf mehr. Wir möchten Unternehmen in ihrem Bestreben, sich zu internationalisieren, unterstützen.“

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