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Warum deutsche Unternehmen Niederländer für Offshore-Windenergie brauchen

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Der jährliche Deutschlandbesuch des niederländischen Königspaares führt in diesem Jahr nach Bremen. Neben Raumfahrt steht die Offshore-Windenergie im Mittelpunkt. Eine Branche, die in den letzten Jahren in Deutschland immer besser Fuß gefasst hat. Und das nicht ohne Grund.

In diesem Jahr stehen Bremen und Bremerhaven auf dem Programm des jährlichen königlichen Besuchs in Deutschland. Mittwoch, den 6. März, wird das Königspaar in der Hansestadt empfangen, mit der die Niederlande seit über 1.200 Jahren Verbindungen pflegt. Begleitet werden sie von einer Wirtschaftsmission unter der Leitung von Sigrid Kaag, Ministerin für Außenhandel und Entwicklungszusammenarbeit. Im Mittelpunkt stehen die Themen Raumfahrt und Offshore-Windenergie.

Die Bereiche Raumfahrt, Windenergie sowie Polar- und Meeresforschung haben viele Berührungspunkte mit niederländischen Unternehmen. In und um Bremen gibt es viele Unternehmen und Wissenseinrichtungen mit führenden Positionen in jedem dieser Bereiche. Bremen ist aufgrund seiner verkehrsgünstigen Lage seit jeher ein wichtiger logistischer Handelsknoten.

Niederländische Windbranche muss besser kommunizieren

Die niederländische Windenergiebranche kennt sich in Norddeutschland bereits aus, nachdem die Interessenvertretung des Windenergiesektors, die niederländische WindEnergy Association (NWEA), im vergangenen Jahr auf der größten Windindustriemesse, der WindEnergy Hamburg, erstmals einen großen Holland-Pavillon (Dutch Village) mit 88 Unternehmen organisiert hat.

Der Vorsitzende der NWEA Hans Timmers erklärt, wie die Wirtschaft von der Zusammenarbeit mit Deutschland noch besser profitieren kann.

*In letzter Zeit ist der niederländische Windsektor häufig in Deutschland zu finden.. * Sicher, der erste und größte Schritt war die Messe in Hamburg. Nach dem königlichen Besuch folgt in diesem Jahr die Husum Wind. Es geht darum, uns als Akteur im Windenergiesektor zu positionieren. Ende 2017 hatten wir eine große Messe in Amsterdam, wo es bereits ein großes Interesse aus Deutschland gab. Das läuft alles ganz natürlich ab und zeigt, wie viel Potenzial es gibt. Und Deutschland ist auch die Brücke, um in die ganze Welt zu gehen.

*Erzählen Sie? * Unternehmen werden immer internationaler. Offshore gibt es große Aufgaben in Asien und anderen europäischen Ländern. Und achten Sie auf die Ostsee, dort wird sehr viel passieren. Aber auch New York arbeitet eifrig an Windprojekten. Es ist eine Bewegung, die sich weltweit entwickelt. Es geht so schnell. Was Deutschland zum Beispiel in einem Jahr entwickelt, ist die komplette Kapazität der Niederlande. Aber letztendlich wird der Unterschied in der gesamten Windkapazität offshore erzielt und dafür ist niederländisches Fachwissen erforderlich.

*Seit der Energiewende arbeitet Deutschland enorm an der Windenergie. Was kann also ein kleiner Nachbar wie die Niederlande dazu beitragen? * Die Niederlande haben geschickt gelernt, wie es in Deutschland funktioniert. In den Niederlanden ist Windenergie erst viel später auf Gang gekommen, daher konnten wir gut beobachten, wie Deutschland das Thema angepackt hat. Welche Stimulationsmechanismen setzt die Regierung ein? Wie groß ist das Ausmaß, und welche Rolle können die Bürger spielen, die in der Nähe von Windrädern wohnen?

Dabei lernen wir von den Spitzenreitern. Bei Landwindanlagen sieht man, dass Deutschland mit großen Ausschreibungen arbeitet, an denen Bürger weitaus stärker beteiligt sind. Das Verfahren sollte von Grund auf neu konzipiert und die Anwohner möglichst früh einbezogen werden. Die Bürger beteiligen sich dabei finanziell und teilen die Belastungen und Freuden.

Die Niederlande entscheiden sich nun vor allem für Offshore-Wind und insbesondere in der Offshore-Technologie haben wir Deutschland viel zu bieten.

*Was machen niederländische Unternehmen jetzt schon in Deutschland? * Wir haben 300 große Mitglieder in der gesamten Lieferkette. Traditionell konzentrieren sich Unternehmen, die sich mit Onshore-Windenergie befassen, auf die Niederlande selbst. Aber die Unternehmen werden immer internationaler, und so entwickelt sich die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern immer stärker. Deutsche Unternehmen zeigen immer größeres Interesse an niederländischen Ausschreibungen für Offshore-Windenergie.

Große deutsche Konzerne wie EnBW und ProWind suchen nach niederländischen Unternehmen, die Erfahrung mit deutschen Projekten haben. Die Deutschen kommen für Onshore-Windenergie in die Niederlande. Aber Offshore beteiligen sich viele niederländische Unternehmen an deutschen Großprojekten. Mit einem Unternehmen wie Tennet sind auch in der Kabeltechnologie führend.

*Wo liegen die Chancen in Deutschland? * Eine große Chance ist die Verbindung zwischen den Ländern. Das Eingehen auf die Höhen und Tiefen des anderen. So gibt es beispielsweise oberhalb von Groningen einen deutschen Windpark, aber keinerlei Verbindung zu den Niederlanden. Das ist sehr seltsam. Dadurch ergeben sich sehr große Synergievorteile für die Zukunft. Außerdem sehen wir auch eine Zukunft in der Wasserstoffwirtschaft. Es muss eine Speicherung für die neuen Energieformen geben, ein Elektrizitätsrohstoff für die Industrie.

*Wer kann damit etwas anfangen? * Insbesondere die nördlichen Niederlande und die niederländischen Häfen. Hier können wir zum Beispiel für Hamburg eine Vorreiterrolle spielen. Niederländer und Deutsche müssen viel mehr miteinander reden.

*Erklären Sie das einmal? * Deutschland verfügt über langjährige Erfahrung im Bau von Windenergieanlagen an Land und wie man die Bürger an diesem Prozess beteiligt. Die Niederlande haben die Erfahrung im Offshore-Bereich. Dabei können wir uns gegenseitig helfen. Man sieht auch, dass immer mehr deutsche Studenten in die Niederlande kommen, um die Techniken im Bereich Offshore zu erlernen, und niederländische Studenten gehen nach Deutschland. Das wird uns enorm viele Synergievorteile bringen. Ganz zu schweigen von den großen deutschen Energiekonzernen mit deutschen Tochtergesellschaften in den Niederlanden wie zum Beispiel RWE und Eon.

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