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Wie dieser Zulieferer durch Industrie 4.0 produktiver wird

Wachstum durch Industrie 4.0 ist nicht nur eine technische Herausforderung. Für Frank Wiersma, Geschäftsführer des niederländischen Unternehmens Itter aus Hardenberg, spielen seine Mitarbeiter eine entscheidende Rolle bei der Produktionssteigerung.

Die Digitalisierung des Produktionsprozesses ist eine enorme Herausforderung. Aber wie nehmen Sie Ihre Mitarbeiter bei der digitalen Transformation mit? „Ich habe mich sehr auf eine Besprechung mit allen Mitarbeitern über den Einsatz von Smart Industry gefreut“, sagt Geschäftsführer Frank Wiersma vom Aluminiumzerspanungsunternehmen Itter aus Hardenberg, gleich hinter der Grenze in den Niederlanden in der Nähe von Lingen (Ems).

Im Nachhinein betrachtet, wurden seine Erwartungen übertroffen. „Zum Glück gab es nur wenig Widerstand gegen Veränderungen. Alle sehen die Notwendigkeit der Digitalisierung und denken gerne mit.“ Die Einbindung der Mitarbeiter in diesen Übergangsprozess ist Wiersma sehr wichtig. „Die Mitarbeiter sehen durch ihre tägliche Arbeit am besten, was automatisiert werden kann.“

In letzter Zeit wurden große Fortschritte gemacht, sagt er. „Wir sind mit der intelligenten Fertigung schon ziemlich weit fortgeschritten“, bemerkt Geschäftsführer Wiersma. „Wir haben mit allen gesprochen und sie zum Nachdenken gebracht. Wir arbeiten jetzt mit einer automatisierten Produktion, bei der wir tagsüber die Aufträge in die Maschinen eingeben, damit diese nachts die Arbeit erledigen.“

Rüstzeiten der Maschinen minimieren

Es war allerdings viel Arbeit, um an diesen Punkt zu kommen. Wiersma: „Wir brauchten eine Ausbildungsstruktur, denn Schulungen sind jetzt ein struktureller Bestandteil der Unternehmensentwicklung. Zum Glück hatten wir bereits flache Strukturen. Die sind notwendig, um neue Investitionen in Toolbox-Meetings zu diskutieren.“

Flache Strukturen tragen auch zu einem angenehmen Arbeitsumfeld bei, merkt er an. „Schließlich wissen die Leute, die die Arbeit jeden Tag machen, am besten, wie man sie noch besser machen kann: Was tut man, was tut man nicht? Welche Produkte sollen automatisch produziert werden und wie geht man dabei vor? Welche neuen Werkzeuge werden benötigt?“

Einzelserie

Bei der Beantwortung dieser Fragen geht es darum, die Bedürfnisse des Marktes mit den eigenen Kompetenzen zu verknüpfen. Wiersma: „Bei uns heißt das ‚One Piece Flow‘. Wir wollen mit Einzelserien arbeiten können, ohne Lagerbestände. Das erfordert das Umstellen von Maschinen nahezu ohne Rüstzeiten und Rüstkosten.“

Hierauf hat sich Itter bei den Lösungen konzentriert, mit Voreinstellungen für die Maschinen und Formen, die für die Produkte bereitstehen. Wiersma: „Normalerweise macht man für jedes Produkt neue Nullpunktmessungen, jetzt haben wir das einmal gemacht und können von nun an ohne diese Schritte mit der Produktion beginnen. Je komplexer die Teile und Baugruppen sind, desto mehr Zeit benötigt man normalerweise zum Rüsten und Umrüsten. Darin besteht der größte Vorteil eines schnellen Starts. Das ist es, was uns Smart Industry bringt.“

Exportchancen durch intelligentes Arbeiten

Itter arbeitet eng mit treuen Kunden und Partnern zusammen. „Die können wir dank der neuen Arbeitsweise besser bedienen“, sagt Wiersma. „Sie können sich weiterhin auf uns verlassen, dass wir komplexe Teile nach Spezifikation und zu einem guten Preis liefern.“

Außerdem gibt es einen potenziellen neuen Markt. Wiersma: „Wir sind jetzt in der Lage, mit der gleichen Anzahl von Mitarbeitern mehr zu erreichen. Wir sehen Möglichkeiten, Arbeit aus dem Ausland anzuziehen.“ Und er meint damit vor allem das Land, das einen Kilometer vom Firmengelände entfernt liegt, das Land, in dem die Diskussion über „Industrie 4.0“ begann. „Bei unseren östlichen Nachbarn hinken die mittelständischen Zulieferer im Durchschnitt den Niederländern hinterher. Ein kleiner Beweis dafür ist eine Auszeichnung, die wir von einem Kunden aus Süddeutschland erhalten haben.“

In den Niederlanden hat man die Dringlichkeit, intelligenter zu arbeiten, früher erkannt als in Deutschland, stellt er fest. „In einem kleinen Land stößt man eher an seine Grenzen, während sich viele deutsche Unternehmen lange Zeit auf eine florierende Automobilindustrie verlassen konnten.“

Außerdem gibt es einen Unterschied im Lieferkettenansatz. In Deutschland machen Unternehmen noch fast alles selbst, was in den Niederlanden unmöglich ist. „Als spezialisierter Zulieferer haben wir uns ganz auf die Zerspanung von Aluminiumkomponenten spezialisiert. OEMs, die das selbst machen, haben teure Maschinen, die nur ein paar Stunden am Tag laufen.“

Daher sieht Wiersma große Chancen in Deutschland. Und außerdem gibt es auch eine schöne soziale Seite, sagt er: „Dadurch, dass wir gewachsen sind, konnten wir Mitarbeiter, die sich schwertun, für andere Aufgaben einsetzen.“

An diesem Beitrag haben mitgewirkt:

  • Produktion: Emma van Harten
  • Partnerships: Derk Marseille
  • Redaktion: Bertus Bouwman und Peter Oehmen (sprachliche Adaption)

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