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Wie niederländische Experten zur Informationssicherheit in Deutschland beitragen können

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Peter Möhring vom Sicherheitsnetzwerk München kennt die Herausforderungen von Informationssicherheit von innen heraus. Er erzählt, was niederländische Spezialisten anders machen als ihre deutschen Kollegen.

Peter Möhring ist Vorsitzender des Sicherheitsnetzwerks München, dem Branchenverband für Informationssicherheit in Bayern. Er arbeitet für das Münchener Unternehmen Giesecke & Devrient, das 1852 als Hersteller von Druckpressen für Banknoten und Wertpapiere gegründet wurde. Inzwischen hat sich der internationale Konzern zu einem Spezialisten für Informationssicherheit im Zahlungsverkehr und bei Ausweisdokumenten entwickelt.

Informationssicherheit stand in den Niederlanden schon früh auf der Tagesordnung

In den vergangenen Jahren traf er als Vorsitzender des Sicherheitsnetzwerks bereits mit verschiedenen niederländischen Delegationen zusammen. Im Prinzip gibt es in beiden Ländern bei den Herausforderungen im Bereich Informationssicherheit nur wenige Unterschiede, sagt er. Trotzdem sind ihm bei Besuchen in den Niederlanden eine Reihe interessanter Dinge aufgefallen. „Vor allem niederländische Fachhochschulen und Universitäten haben Informationssicherheit bereits früh im Studium als Schlüsselthema erkannt und direkt in verschiedenste Lehrprogramme aufgenommen. Dasselbe gilt für niederländische Behörden, die Informationssicherheit ganz oben auf die Tagesordnung gesetzt haben. Das ist sehr lobenswert.“

Ein weiterer Vorteil, den die Niederlande im Vergleich zu Deutschland haben, besteht darin, dass es kein föderales System ist. „Dadurch kann eine gute Politik unmittelbar im gesamten Land umgesetzt werden, die Abstimmung untereinander funktioniert sehr gut. Diese Kombination verschiedener Faktoren sorgt dafür, dass die Niederlande im Bereich Informationssicherheit eine Spitzenposition einnehmen. Man findet viele kleine, aber sehr gute Spezialisten.“

Wertvolle Praxiserfahrung aus den Niederlanden

Dank dieser Spitzenposition haben die Niederlande wertvolle Erfahrungen gesammelt, sagt Möhring. „Insbesondere die Art der Zusammenarbeit zwischen Behörden, Bildungseinrichtungen und der Wirtschaft ist sehr interessant.“ Während in Deutschland über bestimmte Themen – sicherlich auf sehr hohem Niveau – nur in der Theorie gearbeitet wird, haben die Niederländer bereits Praxiserfahrungen gesammelt, hat er festgestellt. „Die Niederländer wissen wie man es in die Praxis umsetzt, davon können wir viel lernen.“

Möhring arbeitet daher auch gerne mit The Hague Security Delta zusammen, seiner Meinung nach, ein gutes Beispiel dafür, wie die verschiedenen Beteiligten zusammenarbeiten können. „Wir können ihnen starke industrielle Themen anbieten und damit auch den Zugang zur deutschen Industrie. Durch wiederholte Besuche teilen wir die Erfahrungen und stärken uns gegenseitig.“

Gemeinsam mit The Hague Security Delta hat er bereits zweimal das Niederländisch-Deutsche Security Forum veranstaltet. „Durch die gemeinsame Vorbereitung entsteht automatisch eine individuelle Zusammenarbeit. Das bekommt eine eigene Dynamik und seitdem arbeiten wir auch enger zusammen.“

Die Niederlande haben das ideale Format für einen Pilotmarkt

In Bayern werden diese Entwicklungen inzwischen mit großem Interesse verfolgt. „Die Niederlande haben das ideale Format für einen Pilotmarkt, weil alles vorhanden ist, was man für einen guten Test benötigt.“ Eine neue Technologie muss Raum und Zeit bekommen, um sich zu entwickeln in Verbindung mit einer positiven Bereitschaft, dies zu unterstützen, sagt er. „Das gelingt in den Niederlanden besonders gut, weil es hier die richtige Mentalität dafür gibt. Es ist die Bereitschaft, etwas Neues auszuprobieren und der Mut, aus Fehlern zu lernen.“

Einen anderen interessanten Unterschied findet er auf akademischer Ebene. „Hier in Deutschland betrachten wir Informationssicherheit häufig als ein rein technisches Thema. Aber die Universitäten in Delft und Leiden betrachten es auch aus soziologischer und psychologischer Perspektive. Es wäre sehr schön, wenn diese Universitäten dies in Deutschland stärker einbringen könnten, denn sie sind extrem weit damit.“

Dass die Niederlande und Deutschland viel aneinander haben können, ist nach Möhrings Meinung in beiden Ländern noch viel zu unbekannt. „Wir müssen uns gegenseitig viel mehr erzählen, was wir können. Mein größter Wunsch ist es gemeinsame Forschungsprojekte zwischen beiden Ländern ins Leben zu rufen.“

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