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Bosch Beton baut eigene Fabrik in Deutschland


Automatisierung, Innovation und Nachhaltigkeit – das sind Begriffe, die zu Bosch Beton passen. Das Unternehmen begann in Kootwijkerbroek und wuchs schnell zu einem angesehenen internationalen Player heran. Nach der Übernahme von Vater Gert van den Bosch gehen die Co-CEOs Brechtje Van den Beuken-Van den Bosch und Gerard van den Bosch den nächsten Schritt.

Mit dem Bau einer eigenen Betonfabrik in Münsingen, Süddeutschland, werden regionale Kunden aus der Landwirtschaft und dem Infrastrukturbereich künftig direkt vor Ort betreut. In den sanften Hügeln Baden-Württembergs liegt eine der stärksten Wirtschaftsregionen Europas, in unmittelbarer Nähe zu Österreich und der Schweiz.

Innovatives Familienunternehmen

Der erste Betonblock aus der neuen Fabrik in Barneveld steht in der Ecke der Eingangshalle. Mit den Unterschriften der Familie van den Bosch versehen, steht er symbolisch für die persönliche Kundenbeziehung und die Qualität des Produkts. Draußen wartet das Kernprodukt auf den Transport: die vier Meter langen Betonstützwände.

Die internationale Expansion ist das Ergebnis eines langjährigen, organischen Wachstums, das über das bestehende Netzwerk entstanden ist. Mit der eigenen Fabrik, die 2027 in Betrieb gehen soll, entscheidet sich die Geschäftsführung mit dieser Investition für eine Beschleunigung des Wachstums.

Das Ergebnis vieler kleiner Schritte, die in den vergangenen zwanzig Jahren gegangen wurden: die Diversifizierung der Absatzkanäle, die Gründung der deutschen GmbH, die Einstellung lokaler Mitarbeiter und die Weiterentwicklung des Produktportfolios nach deutschen Standards – oft strenger als die EU-Norm.

Gerard van den Bosch und seine Schwester Brechtje van den Beuken-van den Bosch sind nicht der Typ Unternehmer, der mit einer PowerPoint-Präsentation nach Deutschland kommt. Sie sind die Kinder von Gert van den Bosch, der 1968 in Kootwijkerbroek mit Betonstützwänden begann. Nüchtern. Solide. Anpacken. 2019 übernahmen sie das Ruder. Die Fabrik steht heute an der A1 bei Barneveld, platzt inzwischen aber aus allen Nähten. Die zweite Fabrik mit eigenem Team ist ein großer aber folgerichtiger Schritt.

„Damals arbeiteten wir mit lokalen Händlern, und man wusste nicht, welche Angebote liefen, welche Anfragen es gab. Darin hatten wirüberhaupt keinen Einblick“, sagt Brechtje van den Beuken-Van den Bosch. Bruder Gerard ergänzt: „Kam eine Bestellung aus dem Ausland herein, war das schön und gut. Aber wirklich systematisch in diesem Markt wachsen? Nein.“

Brechtje Van den Beuken-Van den Bosch, Co-CEO Bosch Beton „Es ist ein Unterschied, ob man von einer niederländischen BV oder einer GmbH liefert. Die Menschen fassen mehr Vertrauen zu einem. Alles wird einfacher.“

Wichtige Lektionen für das Geschäft in Deutschland

Der beschleunigten Wachstumsstrategie lag eine entscheidende Lektion zugrunde: Deutschland ist anders. Ein Beispiel dafür ist das schnelle Wachstum des Biogasmarktes um das Jahr 2008. Wer Biogas produziert, braucht große Silos und die stellen andere technische Anforderungen als der klassische landwirtschaftliche Silo für Mais oder Gras. Zwar lieferte Bosch Beton Stützwände, die den europäischen Anforderungen entsprachen, doch in Deutschland galten zusätzliche Normen. Biogasprozesse erzeugen andere Kräfte, als Hersteller und Kunden es gewohnt waren. Wände, die unter regulären Bedingungen problemlos funktionierten, gerieten unter Druck.

Daraufhin wurde gemeinsam mit der Universität Wageningen untersucht, was in Biogassilos genau passiert: Trockensubstanzgehalte, Fermentationsprozesse, optimale Häcksellängen. Auf dieser Grundlage wurde ein völlig neues Sortiment entwickelt, neu konstruiert nach deutscher Norm, geprüft von deutschen Ingenieurspartnern und von den örtlichen Behörden zugelassen.

„Das war ein langer Prozess“, sagt Brechtje Van den Beuken-Van den Bosch. „Aber seitdem hatten wir eigentlich nie wieder eine Reklamation.“ Der überraschende Nebeneffekt: Das neue Sortiment erwies sich auch in den Niederlanden als geeignet für schwerere Belastungsklassen  und damit als Erweiterung für ein anderes Kundensegment im eigenen Land.

Gerard van den Bosch, Co-CEO Bosch Beton „Deutschland ist europaweit am striktesten, was Sicherheitsmargen und Berechnungsfaktoren angeht. Was dort besteht, besteht überall.“

Deutschland baut weiter – Infrastrukturprojekte in Süddeutschland

Auf dem Infrastrukturmarkt stellte sich eine andere Frage. Bosch Beton arbeitet mit vier Meter langen Elementen. Der deutsche Markt war an Ein-Meter-Stücke gewöhnt, die sich leichter auf Paletten transportieren lassen, jedocharbeitsintensiver in der Verlegung sind. Brechtje van den Beuken-Van den Bosch: „Versuchen Sie mal, zwanzigmal ein Ein-Meter-Stück zu verlegen. Wenn wir kommen, setzen wir fünf Wände von vier Metern. Das sind nur fünf Arbeitsschritte statt zwanzig und dazu kein Mörtelbett oder Vergießen nötig. Das macht uns deutlich effizienter.“

Um den Markt davon zu überzeugen, besuchen sie gemeinsam mit einem deutschen Vertriebspartner Kunden vor Ort. Präsentieren, zuhören, anpassen. Es ging nicht von selbst. „Am Anfang hieß es immer: Ja, aber ich hätte lieber ein Ein-Meter-Stück.“ Darauf ließen sich die Kunden nicht ein. „Inzwischen sehen wir, dass der Markt mitzieht“, sagt Brechtje van den Beuken-Van den Bosch.

Bau der neuen Fabrik in Münsingen

Der Schritt zu einer eigenen Fabrik in Deutschland wurde zunehmend attraktiver. Die Transportkosten steigen. Der CO₂-Druck nimmt zu. Beton ist schwer. Und Kunden liegen mitunter 700 Kilometer entfernt voneinander.

Die Frage lautete: Norden oder Süden? Es folgten Analysen. Der Süden gewann: mehr landwirtschaftliches Potenzial, mehr Infrastrukturprojekte, ein neues Absatzgebiet außerhalb des bisherigen Liefergebiets. Das Suchgebiet: das Dreieck München – Nürnberg – Stuttgart.

Idealerweise ein Standort direkt an der Autobahn, so wie Barneveld an der A1 liegt. Doch solche Grundstücke waren kurzfristig nicht verfügbar. Bis 2029 oder 2030 warten, während der Markt weiterwächst? Keine Option.

Dann kam Münsingen ins Spiel, eine halbe Autostunde von Autobahnen in alle Richtungen entfernt. Auf dem Papier etwas weniger ideal, aber nach Analyse bestehender Aufträge und Angebote durchaus machbar. „Ein Teil unserer Kunden sind Landwirte. Die sitzen nicht an der Autobahn“, sagt Brechtje van den Beuken-Van den Bosch, Co-CEO. „Die Nähe zum Kunden ist uns wichtiger als die Nähe zur Autobahn.“

Bosch Beton geht mit der Rabobank international

Nachdem die Rabobank bereits den Bau der niederländischen Fabrik finanziert hatte, schließt sichnun folgerichtig die internationale Fortsetzung beim Bau des Werksin Deutschland an. Der praktische Vorteil liegt in der Struktur: eine Bank mit einheitlicher Dokumentation für mehrere Länder. Brechtje van den Beuken-Van den Bosch: „Hätten wir die Finanzierung separat mit einer deutschen Bank abwickeln müssen, wäre das eine ganz andere Geschichte geworden. So können wir es auf Konzernebene angehen. Die Bank weiß, was dahintersteckt. Das gibt beiden Seiten Sicherheit.“

Gerard van den Bosch, Co-CEO „Unternehmertum muss gesehen werden. Wenn eine Bank nicht nur auf die Bilanz schaut, sondern auch die Wachstumsambitionen sieht und mitdenkt, dann funktioniert es.“

Jacques Kleuskens, Head International Desk Germany „Ich bin beeindruckt, wie Bosch Beton diesen Fabrikbau in Deutschland angeht. Niederländischer Pragmatismus kombiniert mit deutscher Planmäßigkeit und Vorbereitung. All das spricht für Qualität.“

Johan van Leeuwen, Relationship Manager Grootzakelijk Bouw en Vastgoed „Bei der Rabobank erkennen wir die Kraft von Unternehmertum, das tief in der Region verwurzelt ist. Bosch Beton ist ein wunderbares Beispiel für ein Unternehmen, das in Barneveld lokal verankert ist und gleichzeitig national so wie international Wirkung entfaltet. Das passt genau zu unserer Rolle: nah an der Gemeinschaft und zugleich ein Partner, der Kunden bei ihren Wachstumsambitionen unterstützt. Lokal, landesweit und weltweit.“

Stephanie van der Weide, Rabobank „Der internationale Schritt von Bosch Beton zeigt, dass das Spielfeld komplexer wird, sobald Unternehmertum die Grenze überschreitet. Den Unterschied macht dabei, wie lokale Präsenz, Marktkenntnis und eine belastbare Struktur zusammenkommen, um weiteres Wachstum zu ermöglichen.“

Rekrutierung in einem angespannten Arbeitsmarkt

Inzwischen sind auch dieersten Schlüsselpositionen besetzt. Gerd Baur, selbst aus der Region stammend, wurde als Standortleiter für den deutschen Standort eingesetzt und arbeitet bereits regelmäßig vom Büro in Barneveld aus mit. Die Rekrutierungskampagne hat einen Talentpool von mehr als 300 geeigneten Kandidaten hervorgebracht. Davon können 35 Personen sofort einsteigen.

Gerd Baur, Geschäftsführer Bosch Beton Münsingen „Mir ist wichtig, dass auch in Münsingen spürbar wird, wofür Bosch Beton steht. Den Geist aus Barnevald, die Energie im Team und dieses Feuer, mit dem wir an die Dinge rangehen.“

Zuhause in Münsingen

Vom ersten Moment an, als die beiden Geschäftsführer die Stadt Münsingen und ihren Bürgermeister kennenlernten, stimmte das Gefühl. Der Bürgermeister war bis ins Detail über den Produktionsprozess und die innovative Arbeitsweise informiert. Während der Gemeinderatssitzung, in der die offizielle Entscheidung über die Zuteilung der Grundstücke an Bosch Beton fiel, warteten die Geschäftsführer Gerard und Brechtje mehr als zwei Stunden in einem kleinen Zimmer auf die Entscheidung. In diesem Moment ging ihnen viel durch den Kopf. Der Weg dorthin war lang, doch am Ende stand das erhoffte Ergebnis. Brechtje Van den Beuken-Van den Bosch: „Wenn die Fabrik schließlich steht und läuft und wir einfach dorthin fahren können, ist das der Moment, auf den wir so lange hingearbeitet haben. Darauf freue ich mich.“

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