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Niederländische Energiefirmen werben um deutsche Partner


Das SET Tech Festival bringt jährlich internationale Akteure aus Wirtschaft, Politik und Innovation zusammen, um neue Lösungen für die Energiezukunft voranzubringen. Dieses Jahr waren das niederländische Innovationszentrum Connectr, der deutsche Deep-Tech-Innovationshub BRYCK und der Wasserstoff-Hub H2Hub mit einem Gemeinschaftsstand dabei. Für die drei mitgereisten niederländischen Unternehmen ging es darum, den deutschen Markt zu verstehen, Kontakte zu knüpfen und konkrete nächste Schritte für Energie-Kooperationen vorzubereiten.

Grenzüberschreitendes Energieökosystem im Aufbau

Die Zusammenarbeit zwischen Connectr und BRYCK besteht schon länger. Bereits im Mai 2025 hatten beide Organisationen während der Arnhem Electricity Week eine Absichtserklärung unterzeichnet. Ziel ist der Aufbau eines grenzüberschreitenden Innovationsökosystems für Energietechnologie zwischen den östlichen Niederlanden und Nordrhein-Westfalen. Seitdem arbeiten beide Partner eng zusammen und treten international gemeinsam auf. Von gemeinsamen Delegationsreisen über den BRYCK Energy Accelerator bis zur E-World in Essen. Berlin war ein weiterer Schritt auf diesem Weg. 

Julian Wessing, Energy Lead bei BRYCK, bringt die Bedeutung der Kooperation auf den Punkt:

„Das SET Tech Festival trifft den Zeitgeist. Internationale Zusammenarbeit ist wichtiger denn je. Europa muss sich gemeinsam aufstellen und wir sind überzeugt, dass gerade die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den Niederlanden ein Schlüssel für eine erfolgreiche Energiewende ist.“

Während Connectr ein umfassendes Testgelände für Energieinnovationen zur Verfügung stellt, öffnet BRYCK den Zugang zum deutschen Markt: mit Industriepartnern, Investoren und dem BRYCK Energy Accelerator.

„Stellen Sie sich vor: Ein niederländisches Start-up testet seine Technologie in Arnheim, bekommt Feedback von deutschen Industriepartnern über BRYCK, findet deutsche Pilotkunden und skaliert dann in beide Märkte. Genau diese Brücke bauen wir“,  erklärt Jeroen Herremans, Geschäftsführer von Connectr.

Energieinnovationen aus den Niederlanden

Die teilnehmenden Unternehmen bringen unterschiedliche technologische Ansätze mit und zeigen damit, wie vielfältig Innovation im niederländischen Energiesektor gedacht wird: 

  • Powercrumbs sammelt ungenutztes Biogas von Wasserbehörden und Deponien und wandelt es in Energie um. Das Unternehmen plant sogar eine Ansiedlung im Ruhrgebiet, um regionale Energieketten aufzubauen.
  • Saltes entwickelt großskalige Batteriespeicher für die Industrie und zog auf dem Festival bereits das Interesse von Investoren auf sich.
  • Sessy bietet KI-gesteuerte Systeme zur intelligenten Vermarktung dezentral erzeugter Energie. Ihre Hardware-Lösungen sind bereits am Markt etabliert.

Was sie verbindet: Alle drei Unternehmen sind schon am Markt aktiv und richten ihren Blick nun gezielt auf Deutschland.

Eintritt in den deutschen Energiemarkt

Das SET Tech Festival bot dafür den passenden Rahmen. Besonders das strukturierte Matchmaking wurde intensiv genutzt. Im Fokus standen dabei nicht nur potenzielle Kunden, sondern auch Industriepartner, Stadtwerke und Energieversorger, Investoren und Organisationen, die Pilotprojekte ermöglichen können. Gerade für den Eintritt in einen neuen Markt ist dieser erste Austausch entscheidend. Viele Gespräche führten bereits zu konkreten Folgeterminen.

Jeroen Biesbroek, Geschäftsführer von Powercrumbs, erklärt gegenüber Niederlande Nachrichten: „Wir suchen in Deutschland gezielt Industriepartner mit hohem Energiebedarf, die nicht nur über Nachhaltigkeit sprechen, sondern ihre Prozesse tatsächlich umstellen wollen. Deutschland ist für uns besonders spannend, weil hier sowohl die Nachfrage als auch die industrielle Infrastruktur vorhanden ist. Gleichzeitig suchen wir Partner vor Ort, mit denen wir gemeinsam diese Kreisläufe aufbauen und langfristig verankern können.“

Auf deutscher Seite war das Interesse groß und gleichzeitig gab es überraschte Rückmeldungen: „Viele Organisationen wussten gar nicht, wie viele innovative Energieunternehmen es in den Niederlanden gibt.“ Diese Rückmeldung hörte die Connectr-Delegation häufig. 

Connectr: Praktischer Ansatz für schnelle Umsetzung von Energieinnovationen

Ein zentrales Thema in vielen Gesprächen war der Ansatz von Connectr selbst: Energieinnovationen nicht nur zu diskutieren, sondern schnell in die Umsetzung zu bringen. Im Unterschied zu klassischen Innovationsprozessen setzt Connectr auf ein eng verzahntes Ökosystem aus Unternehmen, Forschung, öffentlicher Hand und Infrastrukturpartnern.

„Wir bringen alle an einen Tisch: Energieunternehmen, Industrie, Behörden, Forschung, und gehen direkt in die Frage: Welche Probleme lösen wir gemeinsam?“, so Jeroen Herremans. 

Der Fokus liegt dabei auf Geschwindigkeit: Testen, pilotieren, lernen und daraus direkt nächste Schritte ableiten. Gerade im Energiesektor ist das keine Selbstverständlichkeit. Genehmigungen, Infrastruktur und regulatorische Rahmenbedingungen bremsen Innovation oft aus. Umso größer war das Interesse auf deutscher Seite.

Deutschland trifft auf niederländischen Pragmatismus

Ein wiederkehrendes Thema: der Unterschied im Umgang mit Innovation. Während in Deutschland Prozesse häufig stark reguliert und fragmentiert sind, gilt der niederländische Ansatz als pragmatischer und lösungsorientierter.

Ein Beispiel macht den Unterschied deutlich: Bei einem Energieversorger in Ostdeutschland scheitern Innovationen oft an Genehmigungen. Das Brownfield-Gelände hat zwar eine CO₂-Genehmigung für bestehende Aktivitäten. Aber jede neue Initiative braucht eine separate Genehmigung, sogar wenn sie weniger CO₂ ausstößt. „In den Niederlanden hätte man einfach angefangen“, sagt Herremans.

In Arnheim, dem Standort von Connectr, können Unternehmen neue Technologien deutlich schneller unter realen Bedingungen testen, weil Infrastruktur, Genehmigungen und Partner bereits zusammengedacht sind. Genau dieser Ansatz stieß beim SET Tech Festival auf großes Interesse. Vertreter von Energieunternehmen und Industrie signalisierten bereits konkrete Anknüpfungspunkte für weitere Gespräche.

Fazit

Fest steht: Die Energiewende lässt sich nicht national lösen. Dafür sind die Herausforderungen zu komplex und die Systeme zu eng miteinander verbunden. Genau deshalb bauen Connectr und BRYCK ein grenzüberschreitendes Ökosystem zwischen den Niederlanden und Deutschland auf. Berlin war ein weiterer Meilenstein dieser Partnerschaft.

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Connectr

Connectr beschleunigt die Energiewende mit Hilfe eines Innovationsprogramms, eines Innovationslabors, gemeinsamer Einrichtungen und einer Kernorganisation. Innovationen werden direkt von Connectr getestet, demonstriert und in die Praxis umgesetzt, um von dort...

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