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BRYCK und Connectr verbinden Energie-Start-ups mit Deutschland und den Niederlanden

Auftakt des BRYCK Energy Accelerator

Die Atmosphäre in Essen ist geprägt von angeregten Gesprächen, konzentriertem Zuhören und einem spürbaren Gefühl von Aufbruch. Mitte September fiel der Startschuss für den BRYCK Energy Accelerator. In dem zwölfwöchigen Programm erhalten Energie-Start-ups individuelle Unterstützung, um ihre Technologien weiterzuentwickeln, den Markteintritt vorzubereiten und Kontakte zu potenziellen Industriekunden und Investoren zu knüpfen.

Testen, validieren, wachsen: Energie-Start-ups auf dem Prüfstand

Doch wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt, um mit einer neuen Technologie den nächsten Schritt zu gehen? 

„Manche Start-ups sind noch nicht so weit, andere warten zu lange“, meint Ralph Jansen, der als Mentor im Accelerator an Bord ist. Als Senior Investment Manager bei OostNL kennt er viele Start-ups und beobachtet zwei Phänomene in der Praxis: „Einige Gründer haben kein klares Ziel vor Augen oder aber sie sind de facto zu spät dran. Das ist der Fall, wenn Start-ups zu lange an einer Idee tüfteln, anstatt sie zeitig am Markt zu testen und mit potenziellen Kunden zusammenzuarbeiten. So können sie herausfinden, ob ihre Lösung tatsächlich gebraucht wird, Vertrauen aufbauen und erste Referenzen für spätere Finanzierungsrunden gewinnen.”

Mit diesem Ansatz unterstützen mehrere Mentoren im Accelerator die teilnehmenden Gründer beim Wachstum. Gibt es Abnehmer, europäische Anwendungsfälle, wie ist der technologische Reifegrad? Es geht dabei nicht nur um technische Details, sondern auch um Soft Skills wie etwa erfolgreiches Pitchen oder um Kontakte in die Wirtschaft, die die Mentoren einbringen. Die Start-ups geben dabei den Rhythmus vor und können flexibel Mentoring-Sessions anfragen. Jansen empfiehlt allerdings einen wöchentlichen Austausch, um die Fortschritte zu überprüfen und bei Bedarf nachzusteuern. Wichtig sei es auch, nicht nur die Ideen kritisch zu hinterfragen, sondern auch die Glaubenssätze und Hypothesen der Gründer auf den Prüfstand zu stellen. 

Ideen marktfähig machen

Zu den internationalen Teilnehmern gehört auch das kanadische Start-up FeX Energy. George Pecotic, Commercial Development Lead, erklärt die Geschäftsidee: „Wir nutzen reichlich vorhandenes, kostengünstiges Eisen als Energiespeichermedium. Dadurch kann erneuerbarer Strom über viele Stunden gespeichert und später als zuverlässige Industriewärme bereitgestellt werden.”

Derzeit arbeitet FeX an einem Pilotprojekt, in dem es darum geht, die Leistungsfähigkeit und den kommerziellen Wert des Gesamtsystems zu demonstrieren. Das Speichermaterial soll mit kostengünstigem Nachtstrom aufgeladen werden. Industriebetrieben soll so zuverlässig nutzbare Wärme bereitgestellt werden, um fossile Brennstoffe zu ersetzen und Energiekosten in teuren Spitzenlastzeiten zu reduzieren.

Dass FeX dabei die Region zwischen den östlichen Niederlanden und Westdeutschland mit ihren dichten Industriezentren ins Auge fasst, ist kein Zufall. „Für FeX sind Regionen wie die Niederlande, Westdeutschland und der umliegende Industriekorridor ein naheliegender Frühmarkt“, erklärt Pecotic. Dort gibt es zahlreiche industrielle Wärmeabnehmer, die nach praktischen Wegen suchen, ihre Produktion zu dekarbonisieren, ohne die Versorgungssicherheit zu beeinträchtigen.

Beziehungen durch Kooperationen und grenzüberschreitende Kontakte

Damit es Ideen aus der Pilotphase in die Marktreife schaffen, braucht es Beziehungen und Kontakte. Technologieanbieter, Investoren und Industriekunden sowie regionale Partner müssen zueinander finden. Genau dabei unterstützt der Accelerator.

„Das eine Problem ist Geld“, erklärt Julian Wessing, Energy Lead bei BRYCK. Um dieses Problem zu lösen, brauchen Start-ups Kunden auf der einen und Investoren auf der anderen Seite. „Das sind zwei wesentliche Bestandteile des Ökosystems, wo wir stark unterstützen.“ BRYCK unterstützt die Start-ups dabei, sich auf Kunden und Investoren vorzubereiten, und vermittelt Kontakte zu relevanten Ansprechpartnern aus der Industrie.”

Wie hilfreich diese Verbindungen sind, zeigt sich auch bei FeX Energy. „Die Mentoren haben sich intensiv mit unserer Technologie auseinandergesetzt und uns sehr gute Fragen gestellt: Wie funktioniert das System, wo schafft es den größten Kundennutzen und wie sollten wir unsere ersten europäischen Anwendungsfälle angehen?“, berichtet George Pecotic. Im nächsten Schritt möchte das Unternehmen gemeinsam mit Industriekunden an Anwendungen arbeiten, bei denen zuverlässige Wärme aus erneuerbaren Energien den Verbrauch fossiler Brennstoffe direkt ersetzen kann.

BRYCK und Connectr als tragfähige Energie-Partnerschaft

Welche Rolle hierbei die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den Niederlanden spielt, beschreibt Julian Wessing von BRYCK so: „Unsere Länder verbindet, dass wir vor ähnlichen Problemen stehen. Die Energiepreise sind hoch und die Industrie sucht nach Lösungen damit umzugehen und die Versorgung zu sichern. In den Niederlanden ist die Netzüberlastung stärker fortgeschritten als in Deutschland.” Eine Herausforderung, die laut Wessing auch auf Deutschland zukommen wird. „Wir wollen gemeinsam mit Connectr ein übereuropäisches Netzwerk schaffen“, so Wessing. Dazu sollen Energiegrößen wie TenneT, E.ON, Industrieunternehmen, Investoren und die jeweiligen Start-up-Ökosysteme zusammengebracht werden.

Auch für Connectr steht die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Mittelpunkt. Jeroen Herremans, Geschäftsführer von Connectr: „Wir wollen eine deutsch-niederländische Brücke bauen. Niederländische Start-ups sollen Kunden und Partner in Deutschland finden und somit leichter in den deutschen Markt einsteigen und später weltweit skalieren können. Genauso aber auch andersrum. Europäische Start-ups können durch BRYCK in den Niederlanden Fuß fassen.” 

Im Mai 2025 hatten BRYCK und das niederländische Innovationszentrum Connectr ihre strategische Partnerschaft bekannt gegeben. Am Connectr-Standort im Cleantech Park Arnhem stehen Testflächen zur Verfügung, auf denen Start-ups ihre Technologien erproben und demonstrieren können. Darüber hinaus eröffnet Connectr den Zugang zum niederländischen Energie- und Innovationsnetzwerk. BRYCK wiederum bringt seine Kontakte zu deutschen Industrieunternehmen und Kapitalgebern ein. Gemeinsam wollen die Partner Start-ups den Zugang zu beiden Märkten erleichtern und ein europäisches Netzwerk für Energieinnovationen aufbauen.

Denn am Ende kommt es nicht darauf an, ob der passende Mentor für ein Start-up aus Deutschland, den Niederlanden oder vielleicht aus Kanada kommt. „Wir glauben, dass Connectr der beste Partner ist, um so ein europäisches Netzwerk aufzubauen“, schließt Wessing.

Bild Credits: Wendi Liang & Marc Aufdemkamp

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