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Deutschland hat gewählt – Was bedeutet das für die niederländische Wirtschaft?


Mit der Bildung einer neuen Bundesregierung in Deutschland rücken zentrale wirtschaftspolitische Fragen in den Fokus – Fragen, die auch die Niederlande direkt betreffen. Deutschland ist der wichtigste Handelspartner der Niederlande, und die wirtschaftliche Stabilität Deutschlands hat direkten Einfluss auf niederländische Unternehmen. Doch wie steht es um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands? Welche Konsequenzen ergeben sich für die technologische Industrie und die gemeinsame Wirtschaftsstrategie Europas aufgrund der Wahlen? Ein Blick auf aktuelle Entwicklungen und die Forderungen der niederländischen Wirtschaft.

Wirtschaftliche Unsicherheit in Deutschland – Folgen für die niederländische Wirtschaft

Deutschland steckt wirtschaftlich in einer schwierigen Lage. Hohe Energiepreise, ein geschwächter Industriesektor und steigender Wettbewerbsdruck aus den USA und China belasten die Konjunktur. Besonders die Autoindustrie, einst das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, verliert an internationaler Schlagkraft. Das spüren auch niederländische Zulieferer wie Tata Steel, ein bedeutender Stahlproduzent in IJmuiden. Die niederländische Stahlindustrie verzeichnete einen Rückgang der Exporte nach Deutschland um 12,5 % im Vergleich zum Vorjahr. Während die Gesamtexporte nach Deutschland mit 103 Milliarden leicht rückgängig sind, hat die niederländische Wirtschaft selbst an Widerstandsfähigkeit gewonnen. Unter anderem durch die Stärkung des Dienstleistungssektors und einer diversifizierten Exportstrategie. Große Player wie der Chipmaschinenhersteller ASML setzen auf Exporte nach China, Taiwan, Südkorea und die USA. 

Theo Henrar, Präsident des niederländischen Unternehmerverbands FME, fordert: „Es ist für uns wichtig, dass Deutschland einen Weg einschlägt, der EU-orientiert ist. Ohne strategische Investitionen und eine koordinierte Wirtschaftspolitik droht Europa im globalen Wettbewerb zurückzufallen. Wir brauchen Deutschland, um gleiche Wettbewerbsbedingungen in Europa zu schaffen.“

Elf-Punkte-Plan für eine wettbewerbsfähige EU

Um die technologische Industrie zu stärken und die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Europas zu sichern, hat FME einen umfassenden Elf-Punkte-Plan vorgestellt. Dieser enthält konkrete Maßnahmen, darunter:

  • Erhöhung der öffentlichen Investitionen in das Produktivitätswachstum: Gezielte Investitionen in Innovation, Produktivität, Nachhaltigkeit und Verteidigung schnürt, um so viele private (FuE-)Investitionen wie möglich freizusetzen.
  • Vertiefung des EU-Binnenmarkts: Keine neuen, komplizierten EU-Richtlinien – stattdessen Harmonisierung bestehender Vorschriften, um strategische Branchen europaweit zu stärken.
  • Bessere Nutzung europäischer Fördermittel: Eine nationale Strategie zur Kofinanzierung von EU-Fonds entwickeln, um innovative Projekte gezielt zu unterstützen.
  • Faire Wettbewerbsbedingungen für Investitionen: EU-Fördergelder sollen an die besten Unternehmen gehen – nicht nur an Firmen in bestimmten Mitgliedstaaten. 
  • Fokus auf Schlüsseltechnologien: Investitionen in KI, Halbleiter, Batterien & grüne Technologien priorisieren – etwa durch eine „AI-Fabrik“ in den Niederlanden.
  • Gezielte Fachkräfteförderung: Studiengebühren für technische Fächer senken & Weiterbildungsprogramme für Zukunftsberufe ausbauen.
  • Internationale Talente gewinnen: Erleichterte Arbeitsmigration für dringend benötigte Fachkräfte, insbesondere für den Mittelstand und Start-ups.
  • Nachhaltige Industrie fördern: Einnahmen aus dem CO₂-Emissionshandel direkt für die Dekarbonisierung energieintensiver Industrien nutzen.
  • Stärkung nachhaltiger öffentlicher Beschaffung: Öffentliche Ausschreibungen stärker auf Innovation & Nachhaltigkeit ausrichten, um Unternehmen zu fördern.
  • Internationale Handelsabkommen vorantreiben: Neue Abkommen mit Mercosur, Indien, Indonesien und Australien abschließen & strategische Rohstoffpartnerschaften sichern.
  • Bürokratie abbauen & fairen Wettbewerb schaffen: Berichtspflichten in der EU vereinfachen & Ausfuhrkontrollvorschriften harmonisieren, um Handelshemmnisse abzubauen.

Warum die Niederlande Deutschland brauchen – und umgekehrt

Obwohl die niederländische Wirtschaft widerstandsfähiger geworden ist, bleibt Deutschland der wichtigste Handelspartner. Besonders große Schnittmengen gibt es in den Bereichen High Tech, Maschinenbau, erneuerbare Energien und Medizintechnik. 

Beispielsweise gilt die Region Nordbrabant in den Feldern Telemedizin, Künstliche Intelligenz, Personalisierte Medizin und Datennutzung als besonders fortschrittlich. 

Niederländischen Unternehmen sind als Zulieferer in der High-Tech-Fertigungsindustrie (High Mix, Low Volume) in enger Verbindung mit der deutschen Industrie. Im Bereich der erneuerbaren Energien gibt es neben Wasserstoffprojekten, großes beidseitiges Potenzial beim Thema E-Mobility, Ladeinfrastruktur und Batteriespeichern. 

Die wirtschaftspolitische Ausrichtung der neuen deutschen Regierung wird entscheidend sein. Ob durch gezielte Investitionen oder strukturelle Reformen – Deutschland muss den wirtschaftlichen Rahmen setzen, um Europa wettbewerbsfähig zu halten. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die neue deutsche Regierung bereit ist, gemeinsam mit den Niederlanden und anderen EU-Partnern eine starke wirtschaftliche Basis für die Zukunft zu schaffen. 

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