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Niederlande treiben Agritech-Innovation mit bildgebenden Technologien voran

Bildgebende Technologien im Agritech- und Agrifoodsektor in den Niederlanden Image by Chaiyan Anuwatmongkolchai from Pixabay

Bildgebende Technologien werden breit in der Industrie eingesetzt und bieten verschiedene gesellschaftliche Vorteile. Roelien Attema, Forschungs- und Entwicklungsleiterin bei ASTRON, dem niederländischen Institut für Radioastronomie, und Programmbeiratsmitglied bei Holland High Tech, gibt einen Einblick in die Verbreitung und Bedeutung dieser Technologien.

Was sind bildgebende Technologien?

Bildgebende Verfahren befassen sich mit der Erzeugung, dem Sammeln, der Analyse, Modifizierung und der Visualisierung von Bildern über das gesamte elektromagnetische Spektrum hinweg – von Röntgenstrahlen über Mikrowellen bis zu Radiowellen. Die Definition ist technologisch breit gefächert und umfasst sowohl Hardware wie Sensoren, Teleskope und Kameras als auch Software zur Verarbeitung und Visualisierung.

Der Einsatz reicht vom medizinischen Sektor, wo neue Diagnose- und Behandlungsformen die Qualität der Versorgung verbessern, über Verteidigung und Sicherheit bis zur Wissenschaft. Und das ist noch längst nicht alles. 

Niederländische Stärken: Halbleiter, Medizin und Agritech

Die Niederlande haben in mehreren Bereichen eine starke Position, in denen sie auf bildgebende Verfahren setzen. „Bildgebungstechnologien werden in großem Umfang in der Halbleiterindustrie eingesetzt, beispielsweise in den Maschinen von ASML“, erklärt Attema. „Die Niederlande nehmen in diesem Bereich eine einzigartige Stellung ein und sind sowohl in Europa als auch weltweit führend.“

Auch in der medizinischen Bildgebung sind die Niederlande stark aufgestellt. Die hohe Qualität der akademischen Krankenhäuser und die historische Rolle von Unternehmen wie Philips tragen dazu bei.

Besonders stark ist die niederländische Position im Agrifood- und Agritech-Sektor. Erik Pekkeriet, Programm Manager Vision + Robotics  an der Universität Wageningen, arbeitet intensiv an bildgebenden Systemen für diesen Sektor. „Wir haben weltweit führende Agrar- und Lebensmitteltechnologieunternehmen in vielen Bereichen: Eier-, Lebensmittel- und Obstsortierung, Gewächshausmaschinen, Melktechnik, Fleischverarbeitung, Kartoffeln sowie Ernte- und Verarbeitungsmaschinen für frisches Gemüse“, sagt er.

Der besondere Fokus liegt auf hochwertigen Frischprodukten. Dadurch sind die Niederlande zum zweitgrößten Exporteur von Agrar- und Lebensmittelprodukten weltweit geworden.

Chancen für grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Doch die Herausforderungen in der Landwirtschaft sind groß: „Um Lebensmittel nachhaltiger, frischer, vielfältiger und nährstoffreicher zu produzieren und gleichzeitig den Ressourceneinsatz zu reduzieren, sind mehr Arbeitsaufwand und regelmäßige Eingriffe erforderlich“, erklärt Pekkeriet. Das führt zu steigenden Arbeitskosten.

Die Lösung liegt in erschwinglichen, skalierbaren und multifunktionalen Anwendungen, die aussagekräftige Daten und robotische Aktionen liefern. Diese sollen den hohen Arbeitsaufwand ersetzen und produktive, artenreiche Agrarlandschaften mit vielfältigen Ernährungssystemen ermöglichen.

Drei konkrete Probleme müssen dabei gelöst werden:

  • Ernte: Roboter sollen in komplexen Baumkronen arbeiten und Obst, Blumen oder Gemüse pflücken können. Dafür brauchen sie 3D-Wahrnehmung in Echtzeit, um sich zwischen Ästen und Blättern zu bewegen, ohne die Pflanzen zu beschädigen.
  • Feldarbeit bei jedem Wetter: Sensoren müssen bei Regen, Nebel oder starker Sonne zuverlässig funktionieren. Gleichzeitig sollen sie nicht nur die Pflanzen erfassen, sondern auch Daten über Biodiversität und Bodenzusammensetzung liefern.
  • Qualitätskontrolle: Bei der Ernte kleiner Obst- und Gemüsepackungen für Fertiggerichte oder Catering-Dienstleistungen muss die gesamte Qualität gleichzeitig und flexibel überprüft werden – und zwar schnell genug für die laufende Produktion.

Absichtserklärung zwischen Deutschland, den Niederlanden und Frankreich

Um diese Herausforderungen gemeinsam anzugehen, haben die Niederlande, Deutschland und Frankreich kürzlich ein Memorandum of Understanding unterzeichnet. Die drei Länder sind zusammen weltweit führend in der Agrar- und Lebensmitteltechnologie.

Aus den Niederlanden sind Wageningen University & Research, Fedecom und FME beteiligt. Deutschland wird durch das Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB Potsdam) und das Agrotech Valley Forum vertreten. Frankreich bringt INRAE, die Branchenorganisation AXEMA und die Innovationsplatform RobAgri ein.

Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf autonome Technologie für hochwertige Kulturen, sichere KI-Anwendungen in Maschinen und nachhaltige Anbausysteme mit weniger Ressourcen und intelligentem Wassermanagement.

Pekkeriet von der Universität Wageningen arbeitet bereits mit mehreren deutschen Partnern zusammen: Zeiss, Fraunhofer, dem Forschungszentrum Jülich und MVTech. „Je einfacher wir zueinander finden, desto schneller kommen wir voran“, sagt er. Der Markt ist stark fragmentiert und weist begrenzte Forschungs- und Entwicklungskapazität auf. Gemeinsam könnte das Skalierungspotenzial besser ausgeschöpft werden.

Holland High Tech als Brückenbauer

Holland High Tech spielt eine zentrale Rolle dabei, akademische Partner und Wirtschaft zusammenzubringen. „Die große Herausforderung liegt in der Zusammenarbeit zwischen Forschern, die oft aus fundamentaler Perspektive arbeiten, und Unternehmen, die konkrete Anwendungen suchen“, sagt Attema. „Wie überbrücken wir die Lücke zwischen Universitäten und Unternehmen? Und wie stellen wir sicher, dass Wissen die Innovationskraft der Wirtschaft tatsächlich beschleunigt? Das ist genau die Aufgabe von Holland High Tech.“

Dieser Artikel basiert auf einem Interview, das zuvor auf Englisch auf IO+ veröffentlicht wurde.

Bildcredit Titelbild by Chaiyan Anuwatmongkolchai from Pixabay

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