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Fachkräftemangel in MINT-Berufen

Europäische Länder bündeln Kräfte: Gemeinsam gegen Fachkräftemangel in MINT-Berufen


Fachkräftemangel in MINT-Berufen ist nicht nur ein Problem in Deutschland. Geschäftsführerin Beatrice Boots von der niederländischen ‘Platform Talent voor Technologie’ (PTvT, Dutch National Platform Science & Technology) schließt sich mit zahlreichen europäischen Initiativen zusammen, um aus den Erfahrungen der anderen zu lernen und davon zu profitieren. „Deutsche Unterstützung für die berufliche Ausbildung ist dringend notwendig.“

Der Fachkräftemangel in MINT-Berufen wird für Deutschland ein immer drängenderes Problem. Man denke zum Beispiel an Berufe in der Energiewende, der digitalen Innovation oder der Gesundheitstechnologie. MINT-Absolventen werden dringend in Sektoren benötigt, in denen es große soziale Probleme gibt.

In Deutschland ist dies bereits deutlich spürbar. Technische Berufe wie die Metall- und Elektroindustrie und der MINT-Bereich sind besonders stark betroffen, schreibt das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Als das Ministerium 2010 Unternehmer befragte, ob sie Schwierigkeiten hätten, offene Stellen zu besetzen, bejahten dies 16 Prozent. Im Jahr 2018 waren es bereits 50 Prozent.

Diese Situation droht sich noch zu verschärfen, wenn man bedenkt, dass die Zahl der Erwerbstätigen im Alter zwischen 20 und 65 Jahren bereits bis 2030 um 3,9 Millionen sinken wird. Bis 2060 wird die Zahl der Erwerbstätigen um weitere 10,2 Millionen zurückgehen, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden.

Fachkräftemangel in MINT-Berufen: Mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Unterstützung der Berufsausbildung

Doch der Fachkräftemangel in MINT-Berufen ist kein typisch deutsches Problem, sagt Direktorin Beatrice Boots von der niederländischen Plattform Talent for Technology (PTvT, Dutch National Platform Science & Technology). „Das spielt sich in den Niederlanden genauso ab wie in anderen europäischen Ländern. In den Niederlanden wurden wir als Plattform vor 20 Jahren von den Ministerien für Bildung, Wirtschaft und Soziales gegründet, um diese Herausforderung anzunehmen.“

Boots ging damals als Forscherin für die PTvT an die Arbeit, um herauszufinden, wo die Wurzel des Problems lag. „Wir stellten fest, dass es oft ein Mismatch zwischen Wirtschaft und Bildung gab. Es gab keinen guten Dialog zwischen Schulen und Unternehmen darüber, welche Fachkräfte für die Arbeitsplätze der Zukunft benötigt werden. Die Unternehmen beklagen sich darüber, dass es zu wenig technisch ausgebildete Menschen gibt, und das Bildungswesen wirft den Unternehmen oft vor, sich nicht ausreichend zu beteiligen.“

Fachkräftemangel in MINT-Berufen

Eine bessere Abstimmung zwischen Bildung und Unternehmensbedarf erfordert ein stärkeres Engagement beider Seiten. „Die Regierung kann diesen Dialog unterstützen. Auf diese Weise können wir die Ausbildung intelligenter und besser gestalten, denn letztlich müssen wir das gemeinsam tun. Mit den Ergebnissen dieses Dialogs muss man sich dann an die Arbeit machen. Und das zahlt sich aus. Unternehmen, die in die Bildung investieren, bekommen schneller und einfacher Personal.“

Dialog über Fachkräftemangel in MINT-Berufen auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene erforderlich

Dieser Dialog sollte nicht nur auf nationaler, sondern auch auf regionaler Ebene geführt werden. „Die Herausforderungen können von einer Region zur anderen sehr unterschiedlich sein. Angenommen, in einer Region gibt es eine starke chemische Industrie, dann muss die Ausbildung dazu passen. Das mag sehr logisch klingen, aber in der Praxis gibt es oft keine Abstimmung.“

Diese Zusammenarbeit zwischen Bildung, Wirtschaft und Regierung, die in den Niederlanden auch als Triple Helix bezeichnet wird, ist in einem Technologiepakt zwischen den Partnern festgeschrieben. „Dadurch wird sichergestellt, dass der regionale Fokus zurückkehrt und eine langfristige Vision gewährleistet ist“, sagt Boots. „Um genügend qualifizierte Arbeitskräfte in der Region zu haben, muss man an mehreren Stellschrauben drehen.“

Das beginne damit, Schüler für eine MINT-Ausbildung zu begeistern. „Dann muss man in der Schule dafür sorgen, dass die Schüler nicht abspringen und dass sie dann den richtigen Job finden. Danach muss man dafür sorgen, dass die Berufseinsteiger in der Branche gehalten werden. Die Linie des kontinuierlichen Lernens muss stimmen.“

Internationale Aufmerksamkeit für niederländischen Ansatz

„Die Lektionen, die PTvT im Kampf gegen den Fachkräftemangel in MINT-Berufen gelernt hat, erregen internationale Aufmerksamkeit“, sagt Boots. „Der Fachkräftemangel ist in den ersten Jahren deutlich zurückgegangen, unser Ansatz funktioniert also“, sagt sie. Doch als die Regierung aufgrund der Finanzkrise Kürzungen vornehmen musste, war das sofort spürbar. „Seit 2015 konnten wir wieder aufholen, und das zeigt sich auch in den Zahlen. Weil wir unseren Ansatz gut dokumentiert haben, bekommen wir oft Besuch von ausländischen Delegationen.“

Internationale Aufmerksamkeit kam auch vom damaligen Präsidenten der Europäischen Kommission José Manuel Barroso. „Auf seine Bitte hin gab es mehr Austausch zwischen verschiedenen europäischen Initiativen, was zur EU STEM Coalition führte.“

Fachkräftemangel in MINT-Berufen

Die EU STEM Coalition spiegelt sich nun in neuen europäischen Maßnahmen wie dem Digital Services Act und dem Chips Act wider. Eine weitere vielversprechende Initiative sind die Centres of Vocational Excellence (CoVEs), die als Kompetenzökosysteme auf regionaler Ebene in ganz Europa fungieren. Hier wurden 400 Millionen Euro für die Einrichtung von 100 CoVEs bereitgestellt. „Denken Sie an die Qualifikationen, die für die großen Umstellungen benötigt werden, wie jetzt im Bereich Wasserstoff“.

Europäische Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels in MINT-Berufen erforderlich

Doch damit sei der Fachkräftemangel in den MINT-Berufen noch lange nicht gelöst, sagt die PTvT-Direktorin. „Wir haben schon immer gesehen, dass die Hochschulbildung und insbesondere die Universitäten sehr viel staatliche Mittel erhalten. Die berufliche Bildung hinkt hier hinterher. Deshalb müssen wir uns in Europa Gehör verschaffen, damit auch die MINT-Bildung eine angemessene Förderung erhält. Mit einem größeren Netzwerk können wir mehr bewirken.“

Fachkräftemangel in MINT-Berufen

Bildung bleibt weiterhin Sache der Länder selbst, aber der europäische Austausch von guten Beispielen bringt viel. „Der niederländische Technologiepakt zum Beispiel wird inzwischen in vielen Ländern kopiert.“ Umgekehrt lernen die Niederlande aber auch von anderen europäischen Initiativen. „Wir haben entdeckt, wie beliebt die First Lego League in Nordrhein-Westfalen ist. Das hat uns ermutigt, dieses internationale Robotikprogramm für Schüler zwischen 9 und 15 Jahren auch in den Niederlanden zu organisieren.“

Europäische Parlamentswahlen

Boots will die Wahlen zum Europäischen Parlament nutzen, um das Thema MINT dauerhaft auf die europäische Agenda zu setzen. „Wir sind uns in ganz Europa einig, dass wir in das Handwerk investieren müssen. Gerade jetzt, wo wir viele Kompetenzen für wichtige Übergänge wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit brauchen. Deshalb wollen wir dafür sorgen, dass mehr finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden.“

Fachkräftemangel in MINT-Berufen

Dabei denkt die Direktorin auch an den Einsatz von EU-Mitteln wie Erasmus+-Programmen. „Hier kann man einen stärkeren Fokus auf Themen wie MINT/STEM für Bereiche mit großen Umbrüchen und gesellschaftlichen Fragestellungen legen und der beruflichen Bildung, insbesondere auch der Sekundarstufe, mehr Aufmerksamkeit schenken.“

Boots plädiert also nicht für immer neue Projekte, sondern für die Stärkung bestehender Strukturen. „Sie verdienen mehr Unterstützung. Was gut funktioniert, können wir ausbauen.“ Dies spiegelt sich unter anderem in dem europäischen MINT-Memorandum wider, das Ende Februar 2024 an den flämischen Ministerpräsidenten Jan Jambon übergeben wird. Die Übergabe findet am 29. Februar in der Landesvertretung von Nordrhein-Westfalen in Brüssel statt.

Im Anschluss daran finden die EuroSkills Herning 2025 in Dänemark statt, eine Veranstaltung, bei der Hunderte von jungen Menschen aus 32 Ländern gegeneinander antreten, um Meister in ihren Berufen zu werden. Hier wird auch hinter den Kulissen über die Verbesserung der Berufsbildung diskutiert. „Es wäre schön, wenn wir in einiger Zeit sagen könnten: Die Kopenhagener Vereinbarung 2025 hat etwas für die Berufsbildung bewirkt“, sagt sie.

Beitritt zur EU STEM Coalition

Aus Deutschland beteiligen sich bereits Global Talent Mentoring, matrix gGmbH, MINTvernetzt, Nationales MINT Forum e. V., Science on Stage Europe und ZDI Nordrhein-Westfalen an der EU STEM Coalition.

Das Sekretariat der EU STEM Coalition wird derzeit von der niederländischen Nationalen MINT-Plattform (PTvT) mit Büros in Den Haag und Utrecht (Niederlande) geführt. Bei Fragen zur EU STEM Coalition oder ihren Partnern wenden Sie sich bitte an info@stemcoalition.eu.

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