In der Serie „Gesichter der Innovation“ stellen wir die Mitglieder des Programmrats von Holland High Tech vor – Menschen, die die technologische Zukunft der Niederlande mitgestalten. Der Programmrat bringt Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammen, um Innovationen in zentralen Zukunftsfeldern zu fördern.
Einer von ihnen ist Hans van der Weijde, Programmrat für den Innovationsbereich Kreislaufwirtschaft und Leiter des Forschungs- und Entwicklungsprogramms bei Tata Steel Nederland.
Van der Weijde beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, wie sich Industrie und Gesellschaft von einer linearen zu einer zirkulären Wirtschaft entwickeln können – also weg vom Wegwerfprinzip, hin zu einem geschlossenen Materialkreislauf.
Produkte von Anfang an zirkulär denken
„Wenn Menschen an Kreislaufwirtschaft denken, geht es oft nur um Recycling“, erklärt Van der Weijde. „Aber zirkulär zu denken bedeutet viel mehr: Produkte so zu entwerfen, dass sie langlebiger, reparierbar und modular sind. Nur was wirklich nicht mehr genutzt werden kann, sollte recycelt werden.“
Die Herausforderung beginne schon beim Design. Viele Produkte, etwa Smartphones, seien technisch wertvoll, aber nicht für Wiederverwendung oder Reparatur ausgelegt. Hier sieht Van der Weijde großen Handlungsbedarf und eine wichtige Rolle für die Industrie.
Kooperation als Schlüssel: Deutschland und die Niederlande im Dialog
Auch jenseits der Grenze spielt Kreislaufwirtschaft eine immer größere Rolle. „Deutschland gehört zu den führenden Ländern, wenn es um automatisierte Sortiertechnologien für Abfälle geht – ein echtes Hightech-Thema“, sagt Van der Weijde. „Gerade beim Recycling von Metallen oder Elektronikschrott gibt es schon viele funktionierende Beispiele. Doch das Potenzial ist längst nicht ausgeschöpft.“
Er sieht große Chancen in der deutsch-niederländischen Zusammenarbeit, besonders im Produktdesign und bei der Rückgewinnung seltener Rohstoffe: „Wir sollten frühzeitig festlegen, welches Land sich auf welche Materialströme spezialisiert. Wir können nicht alle dasselbe tun. Spezialisierung und Kooperation sind entscheidend.“
Gemeinsame Forschung und industrielle Vernetzung
Tata Steel Nederland arbeitet bereits mit zahlreichen deutschen Partnern zusammen – unter anderem in der Automobilzulieferkette, mit dem Max-Planck-Institut für nachhaltige Materialien sowie mit Herstellern von Sortieranlagen für Metallabfälle. „Teilweise kooperieren wir sogar mit Wettbewerbern, wenn es um vorwettbewerbliche Fragestellungen geht“, erklärt Van der Weijde.
Dabei zeigt sich: Auch rechtliche Unterschiede können die Zusammenarbeit beeinflussen. „Gesetzgebung und Definitionen von Abfall oder Rohstoff sind in beiden Ländern unterschiedlich. Das kann Innovation bremsen – aber auch neue Geschäftschancen eröffnen, wenn man die Systeme gut versteht.“
Von der Forschung bis zum Konsumenten
Für Van der Weijde ist klar: Die Transformation zur Kreislaufwirtschaft gelingt nur, wenn alle Akteure mitziehen – Unternehmen, Forschung, Politik und Verbraucher. „Jeder kann dazu beitragen: bewusster konsumieren, reparieren statt wegwerfen, Produkte länger nutzen. Das ist der einfachste und zugleich wirksamste Schritt in Richtung Zirkularität.“
Dieser Artikel basiert auf einem zuvor auf IO+ in niederländischer und englischer Sprache veröffentlichten Interview.




