Die bisher größte Handelsmission in die Schweiz brachte vom 9. bis 11. September 2025 niederländische Unternehmen und Wissensinstitute mit der Schweizer Hightech-, Halbleiter- und Biotech-Landschaft zusammen. Auf der Agenda standen unter anderem Besuche bei Novartis, Roche, IBM Research Zürich und dem Paul Scherrer Institut sowie Matchmaking-Sessions.
Niederlande Nachrichten sprach mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf niederländischer und Schweizer Seite – über Innovationen, technologische Ausblicke und warum Austausch auf Augenhöhe entscheidend für erfolgreiche Kooperationen ist.
Strategische Partner in Europa
Die Handelsmission verfolgte das Ziel, Partnerschaften zu vertiefen: Regierungen, Unternehmen und Wissensinstitute finden grenzüberschreitend zusammen und somit verbinden sich zwei der stärksten europäischen Ökosysteme in Hightech und Biotech enger miteinander.
Beide Länder eint eine exzellente Forschungslandschaft, eine sich gegenseitig bereichernde Geschäftskultur sowie Offenheit für Innovation und internationale Kooperation. Partnerschaften zwischen Unternehmen, Regierung und Forschung gelten dabei als Schlüsselfaktor, um Ideen in die Praxis und in internationale Märkte zu bringen. Genau dieses Zusammenspiel stand im Mittelpunkt der Mission.
Thematisch trafen die Stärken der Schweiz direkt auf die niederländische Nationale Technologiestrategie (NTS). Dazu gehören beispielsweise Quantentechnologien, Photonik, Halbleitertechnologien, Künstliche Intelligenz und Biotechnologie.
„Die Niederlande und die Schweiz sind beide kleine Länder in einem großen Weltmarkt, aber sie sind hoch innovativ und haben den Anspruch, die Technologien von morgen voranzutreiben“, erklärt John Piggen, Geschäftsführer von VDL ETG. „Besonders in der heutigen geopolitischen Situation ist es entscheidend, Innovationen zu bündeln, clevere Lösungen zu entwickeln und zu automatisieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.“
Biotech: Komplementäre Stärken nutzen
Die Schweiz zählt mit einem starken Biotech-Sektor und Konzernen wie Roche, Novartis, Lonza und CSL Behring zu den weltweit führenden Standorten für Life Sciences. Damit ergeben sich ideale Anknüpfungspunkte für die Niederlande, wo der Topsector Life Sciences & Health (Health~Holland) erfolgreich Wissenschaft, Unternehmer, Regierung und gesellschaftliche Organisationen in öffentlich-privaten Partnerschaften zusammenbringt.
Pharmazeutische Expertise trifft hier auf niederländische Kreativität, Unternehmertum und praxisorientierte Forschung. „Präzision und Verlässlichkeit der Schweiz treffen auf die niederländische Art der offenen Kommunikation und kooperativen Entscheidungsfindung. Diese Basis erleichtert Vertrauen und Zusammenarbeit“, erklärt Hans Schikan von Health Holland.
Besonders beeindruckend sei der Fortschritt im Bereich menschenbasierter Modelle. „Sowohl Roche als auch Novartis präsentierten Organoide und Organ-on-Chip für die Medikamentenentwicklung“, so Schikan. „Es ist großartig zu sehen, dass dieser Bereich, in dem die Niederlande Pioniere waren, nun Früchte trägt.“
Auch Nina Hobi, Geschäftsführerin und wissenschaftliche Direktorin von Alveolix, betont die Synergien: „In der Schweiz pflegen wir enge und langjährige Partnerschaften mit heimischen Pharmaunternehmen, während wir in den Niederlanden wichtige Kontakte mit der Consumer-Goods- und Food-Industrie knüpfen konnten. Daraus entstehen wertvolle Schnittstellen für neue Anwendungen – wie unsere Organ-on-Chip-Technologie. Handelsmissionen wie diese helfen dabei, die eigene Komfortzone zu verlassen und frische Ideen zu entwickeln. Nur durch Vernetzung lassen sich große Trends wie KI, in silico-Modelle oder personalisierte Therapien wirklich vorantreiben. Dabei ergänzen sich Schweizer KMU und das niederländische Innovationsnetzwerk ideal.“
Hightech: Präzision trifft Innovation
Ob KI, Mobilität, Gesundheit, Sicherheit oder saubere Energie – Halbleiter sind die treibende Kraft hinter den Technologien. Die Schweiz ist bekannt für ihre Präzisionstechnik und ihr Know-how in der Mikroelektronik. Die Niederlande spielen mit ihrer dichten Wertschöpfungskette und globalen Akteuren wie ASML und NXP eine führende Rolle in der weltweiten Chip-Produktionskapazität. Beide Länder investieren in die Widerstandsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Halbleiter-Lieferketten. In dieser Mission wollten die Niederlande Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit in den Bereichen Forschung, fortschrittliche Fertigung und Talentförderung in Europa mit Schwerpunkt auf langfristiger Wertschöpfung ausloten.

„Die Schweiz ist für uns ein besonders spannender Partner, weil sie eine lange Tradition im Engineering und in der Entwicklung komplexer Produkte hat“, sagt Peter Stolk, Vorsitzender von Holland High Tech, dem Topsektor High Tech Systeme and Materialen. „Grenzüberschreitender Austausch ist notwendig, weil weder wir noch die Schweiz das gesamte Ökosystem allein abdecken können. Nur durch Kooperation können wir unsere jeweiligen Stärken optimal nutzen, voneinander lernen und verlässliche Partnerschaften im Hightech-Bereich schaffen – besonders in Zeiten globaler Unsicherheiten und geopolitischer Veränderungen. Besonders beeindruckend fand ich, wie Schweizer Unternehmen und Forschungseinrichtungen Themen angehen, die auch mit der niederländischen National Technology Strategy harmonieren. Auf vielen dieser Gebiete liefern sie hochmoderne Lösungen.”

Auch Bas Klaver, Business Development von DEMCON High-Tech Systems hebt die Synergie hervor: „Gerade in Bereichen wie Quantentechnologien, Photonik und Messtechnik konnten wir tiefe Einblicke gewinnen, die unsere Technologie-Roadmap bestätigen.“
John Piggen ergänzt: „Wir stehen alle vor denselben Herausforderungen und können gemeinsam technologische wie strategische Roadmaps entwickeln, um den zukünftigen Bedarf und die Erwartungen unserer Kunden zu erfüllen. Chips werden kleiner und leistungsfähiger, gleichzeitig steigen Qualitäts- und Kostendruck. Wir können das miteinander gemeinsam meistern, wenn wir unsere Kompetenzen zusammenbringen.“
Direkter Kontakt schafft Vertrauen
Die Handelsmission bot zahlreiche persönliche Begegnungen – unter anderem ein Matchmaking beim PSI und VDL in Villigen. Wie bei jeder Zusammenarbeit sind solche Begegnungen entscheidend, um auf persönlicher Ebene echtes Verständnis, Vertrauen und Respekt aufzubauen. Außerdem tragen sie dazu bei, eine sehr angenehme Atmosphäre zu schaffen.




„Solche Treffen sind effektiver und direkter als klassische Messen“, betont Bas Klaver. „Sie eröffnen Türen, die sonst schwer zugänglich wären, schaffen Vertrauen und ermöglichen ein tiefes Marktverständnis.“
„Wahre Partnerschaften entstehen persönlich“, ergänzt Hans Schikan. „Eine Handelsmission schafft Plattformen für Diskussionen und zufällige Begegnungen, die neue Ideen in der Biotech-Innovation auslösen.“
Auch Peter-Jan Hendrikx von High Tech NL unterstreicht: „Face-to-Face-Netzwerke bringen uns näher zusammen als rein digitale Formate.“
Blick nach vorn: Europa als Innovationsregion
Europäische Länder wie die Niederlande und die Schweiz sind im Vergleich zu den USA und China relativ klein. Daher ist eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit unerlässlich, um komplementäre Stärken zu bündeln, Innovationen zu beschleunigen und sicherzustellen, dass Entwicklungen schnell marktreif werden.
„Wir entwickeln personalisierte Therapien in der regenerativen Medizin. Hier habe ich nicht nur potenzielle Partner aus der Schweiz getroffen, sondern auch wertvolle Kontakte innerhalb der niederländischen Delegation geknüpft“, erklärt Dan Jing Wu, Geschäftsführerin und Co-Founder von VivArt-X. „Innovation kennt keine Grenzen, sie lebt von grenzüberschreitender Zusammenarbeit. Beide Länder teilen die Überzeugung, dass Innovation der Schlüssel zur Aufrechterhaltung eines wirtschaftlichen Vorsprungs ist. Gleichzeitig werden dadurch echte neue Möglichkeiten für Patienten geschaffen.“
Daniela Salvatori vom Centre for Animal Free Biomedical Research ergänzt: „Delegationsreisen erweitern nicht nur den Horizont, sondern legen auch den Grundstein für zukünftige Partnerschaften. Besonders spannend war es zu sehen, wie öffentlich-private Partnerschaften in der Schweiz organisiert sind.“
„Die Mission hat gezeigt, dass die Schweiz aktiv nach Kooperation sucht“, fasst Peter-Jan Hendrikx zusammen. „Beide Regierungen unterstützen diese Initiativen. Insbesondere jetzt, wo die Schweiz einen Zollsatz von 39 % in den USA hat und wir vor geopolitischen Herausforderungen stehen. Die Zusammenarbeit schafft eine solide Basis für pragmatische, hochqualifizierte Partnerschaften zwischen unseren Ländern.”
Fazit: Kooperation als Schlüssel zur Zukunft

Die Handelsmission hat gezeigt, wie groß das Potenzial einer engen Zusammenarbeit zwischen den Niederlanden und der Schweiz ist. Beide Länder bringen komplementäre Stärken in Hightech, Halbleiter und Biotechnologie ein und teilen eine ähnliche Innovationskultur. Persönliche Begegnungen und konkrete Projekte haben verdeutlicht, dass Innovation ohne Grenzen möglich ist – wenn Wirtschaft, Forschung und Politik gemeinsam handeln.
Für Europa bedeutet dies: Nur durch vernetzte Partnerschaften lassen sich die technologischen Herausforderungen unserer Zeit meistern und Lösungen entwickeln, die global Wirkung entfalten.




