Über 15 niederländische Hightech-Unternehmen reisten nach Thüringen, um regionale Kontakte zu knüpfen und die W3+ Fair in Jena zu besuchen. Im Fokus standen Photonik, Halbleiter und Hightech-Zulieferketten. Dieser Besuch ist Teil einer mehrtägigen Delegationsreise, organisiert von Brainport Industrie, der Wirtschaftsförderung Brabant (BOM) in Zusammenarbeit mit der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen (LEG) und OptoNet e.V., dem regionalen Cluster für Optik und Photonik.
Wie wichtig der unternehmerische Austausch zwischen regionalen hochspezialisierten Ökosystemen ist, wird in den Gesprächen, die Niederlande Nachrichten vor Ort mit den Teilnehmern geführt hat, schnell klar.
Gemeinsame Stärken – Brainport Industries und und das Hightech-Cluster Thüringen
Die Delegation besuchte führende Unternehmen und Forschungsinstitute in der Region, darunter Carl Zeiss, Jenoptik und Fraunhofer IOF. Alle Delegationsteilnehmer stammen aus High-Mix-, Low-Volume-, High-Complexity-Sektoren wie beispielsweise Halbleiter, Medtech, Analytics und Optik.

„Was mich überrascht hat, ist die Ähnlichkeit zwischen Jena und unserer Brainport-Region“, sagte Renée Versteegde-Derks, Community Manager bei Brainport Industries. „Beide Ökosysteme haben eine lange Geschichte und eine starke Basis in der Hightech-Industrie. Organisationen wie OptoNet und wir selbst spielen eine wichtige Rolle bei der Vernetzung von Unternehmen, Forschungsinstituten und anderen Interessengruppen.“
Unternehmen in Jena arbeiten eng mit Forschungsinstituten in einer Triple-Helix-Struktur zusammen, ähnlich wie in den Niederlanden. Spin-offs von großen Akteuren wie Carl Zeiss sind stark in dieses Netzwerk eingebunden, wobei OptoNet als wichtiger Verbindungsglied fungiert, das alle Parteien zusammenbringt.
Eine weitere auffällige Parallele ist die historische Bezeichnung sowohl von Brainport Eindhoven als auch von Jena als „Städte des Lichts“. Während Jena von Carl Zeiss geprägt ist, verdankt Eindhoven sein Erbe Philips.









Grenzüberschreitender Austausch auf Top-Level
Die Gespräche fanden auf hoher Ebene statt – strategisch wie technisch. Viele niederländische Unternehmen sind bereits mit thüringischen Unternehmen verbunden oder nutzen die Reise, um neue Partnerschaften aufzubauen.
„Wir haben einen guten Mix organisiert“, erklärte Mark Koppers, Teamlead für internationalen Handel bei BOM. „Unternehmen, die schon Kunden in Thüringen haben, konnten Kontakte vertiefen. Andere haben das Cluster hier erstmals kennengelernt. Wichtig ist der persönliche Austausch – gerade in so komplexen Technologien wie Photonik oder Halbleiter. Online allein funktioniert das nicht. Unsere Unternehmen wollen vor allem wissen, welche Technologietrends Firmen wie Carl Zeiss oder Jenoptik beschäftigen. Gleichzeitig wollen sie verstehen, wo in der Produktion oder bei speziellen Herausforderungen Bedarf besteht. Genau das lässt sich im persönlichen Gespräch viel besser klären als auf digitalem Weg.“
Stimmen aus der Delegation
Marno Panis, Louwers Hanique:

„Solche Reisen schaffen Vertrauen – weil man mehrere Tage intensiv miteinander spricht. Dieses Vertrauen ist entscheidend, wenn man Wissen, Ideen und Geschäftschancen austauschen will. Für uns war es eine ideale Gelegenheit, das Ökosystem in Jena besser kennenzulernen und neue potenzielle Kunden im Halbleiterbereich zu treffen. Durch die Delegation bekommt man Zugang zu Entscheidungsträgern, mit denen man sonst kaum so schnell ins Gespräch kommen würde.“
Roland Ziegler, HQ Pack:

”Wir bauen in Deutschland gerade unseren ersten Service-Standort auf, mit Reinraum und Fokus auf Nachhaltigkeit. Unsere Hightech-Verpackungen werden nicht entsorgt, sondern geprüft, gereinigt und repariert. Delegationsreisen sind wertvoll, weil Kontakte wachsen – oft erinnert sich jemand ein Jahr später und daraus entsteht ein Geschäft. Das sind wichtige Bausteine in der Beziehungspflege. Was ich an der Zusammenarbeit mit den Niederländern schätze, ist die Offenheit. Man ist sofort beim Du, es wird direkt gesprochen. Das schafft Vertrauen – und Vertrauen ist die Basis für jedes Geschäft.”
John in ’t Groen, FMI Manufacturing:

„Thüringen ist spannend wegen der starken Kombination aus Optik, Trägersystemen und hochpräzisen Bauteilen – von Medizintechnik bis Defense. Matchmaking-Formate sind für uns effektiver als klassische Messen. Wir suchen große Kunden mit Substanz, um langfristige Partnerschaften aufzubauen. Deutsche Kunden sind sehr verlässlich, auch wenn der Aufbau Zeit braucht. Persönliche Gespräche öffnen hier die Türen.“
Ausblick
Die Delegation denkt bereits an eine Fortsetzung. Eine Rückdelegation aus Thüringen in die Brainport-Region ist im Gespräch.
„Ich werde auf jeden Fall zurückkommen“, betonte Marno Panis. „Besonders wertvoll sind das hohe Niveau der Gesprächspartner und die Zeit innerhalb der Gruppe. Daraus entsteht Vertrauen – und Vertrauen ist die Basis für erfolgreiche Kooperationen.“
Fotos: Brainport Industries, Katrin Schindler/Niederlande Nachrichten




