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Niederländische Innovationen: Wissenstransfer vom Weltraum in die Wirtschaft

Niederländischer Wissenstransfer: Vom Weltraum in die Wirtschaft.

Das Einstein-Teleskop ist eines der ambitioniertesten Big-Science-Projekte Europas. In einem unterirdischen Observatorium soll es Gravitationswellen messen – und damit das Universum auf völlig neue Weise sichtbar machen. Auch die Niederlande sind Teil dieses Vorhabens. Und nicht nur das: Durch Wissenstransfer werden die Ergebnisse der Forschungen der Wirtschaft zur Verfügung stehen.

Auf der Hannover Messe sprach Niederlande Nachrichten mit Dr. Boris Landgraf, Business Developer und Projektmanager beim niederländischen Unternehmen cosine innovations.

Dr. Landgraf ist gebürtiger Deutscher, lebt aber seit über zehn Jahren in den Niederlanden. Bei cosine innovations leitet er u. a. die Arbeiten rund um die Spiegelentwicklung für das Einstein-Teleskop – eine hochpräzise Aufgabe:

„Die Siliziumspiegel, die wir für das Teleskop entwickeln, haben einen Durchmesser von 45 Zentimetern. Sie müssen so präzise geformt sein, dass ihre Abweichung weniger als zwei Nanometer beträgt – das ist weniger als ein Hunderttausendstel eines Haares.“

cosine ist ein kleines Hightech-Unternehmen mit Hauptsitz im niederländischen Sassenheim. Gegründet wurde es 1998 von dem ehemaligen ESA-Wissenschaftler Prof. Dr. Marco Beijersbergen. Das Unternehmen kombiniert Physik und Technologie, um seinen Kunden sofort einsatzbereite Lösungen zu bieten. Neben innovativen Messsystemen für die Raumfahrt und Industrie entwickelt die Firma Röntgenoptiken für Weltraumteleskope wie NewAthena – und bringt dieses Know-how nun auch in das Einstein-Teleskop ein.

Ein niederländisches Konsortium für Präzisionsoptik

cosine ist koordiniert das Konsortium, das sich speziell mit der optischen Technologie für das Teleskop beschäftigt. Dazu gehören unter anderem das TNO (vergleichbar mit der deutschen Fraunhofer-Gesellschaft), das Astronomieinstitut der Universität Leiden (ASTRON), die Luft- und Raumfahrtorganisation SRON sowie die Universität Maastricht und das Metrologie-Institut VSL.

Die Organisation der Konsortien (es gibt insgesamt sechs für die verschiedenen Schlüsseltechnologien) übernimmt LIOF, die regionale Wirtschaftsförderung der Provinz Limburg. „LIOF hat am Anfang Treffen organisiert, um zu sehen, welche Firmen in den Niederlanden Interesse haben, gemeinsam an diesem Thema zu arbeiten“, erzählt Dr. Landgraf.

Ziel ist es, gemeinsam die Technologien zu entwickeln, die für das Teleskop benötigt werden. Und diese Herausforderungen sind keineswegs trivial: Die Spiegel sollen nicht nur extrem präzise sein, sondern auch extrem geringe Lichtabsorption aufweisen – was neue Ansätze in der Bearbeitung von Silizium erfordert. Denn: Rohmaterial in dieser Größe und Qualität ist bislang gar nicht verfügbar. cosine und die Partner arbeiten deshalb an neuen Verfahren, um größere Spiegel zu erzielen.

Wissenstransfer: Von der Grundlagenforschung in die Praxis

Doch wozu das Ganze? Gravitationswellenforschung ist Grundlagenphysik – und damit auf den ersten Blick weit entfernt vom Alltag. Dr. Landgraf sieht darin großes Potenzial: „Was wir bei der Spiegelentwicklung lernen, lässt sich auch in anderen Bereichen nutzen – etwa in der Halbleiterindustrie oder in der Medizintechnik.“

In den Niederlanden wird dieser Wissenstransfer unter dem Begriff Valorisatie zusammengefasst. Es geht darum, dass aus öffentlich geförderter Forschung auch praxisnahe Anwendungen entstehen – als Teil einer gezielten Innovationsstrategie.

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LIOF

Die LIOF ist eine Unternehmensorganisation zur Wirtschaftsförderung der niederländischen Provinz Limburg.

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