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Digitale Transformation: Deutsche und niederländische Industrie bilden Win-Win-Kombination

Deutschland und die Niederlande beschleunigen gemeinsam die digitale Transformation von KMU. Geschäftsführerin Anja Simon von LNI 4.0 (Labs Network Industrie 4.0 e.V.) und Geschäftsführer John Blankendaal von Brainport Industries erklären, wie sich die beiden Nachbarländer gegenseitig zu besseren Ergebnissen anspornen können.

Wenn die großen Konzerne digitalisieren, richten sie zunächst eine Task Force ein. Kleine und mittlere Unternehmen haben diesen Luxus nicht, sagt Geschäftsführerin Anja Simon von LNI 4.0. "Das sind oft Mehrgenerationen-Familienbetriebe. Sie haben nicht immer die Möglichkeit, das Internet für das geeignete Wissen zu durchforsten und durch Trial & Error die beste Lösung zu finden." Für diese Herausforderung wurde LNI 4.0 gegründet. "LNI 4.0 ist eine gemeinnützige und vorwettbewerbliche Organisation – wir verkaufen nichts, sondern bieten Wissen und Hands-on Testmöglichkeiten, um Lösungen für Industrie 4.0 zu erleben und damit Hindernisse für Industrie 4.0 zu beseitigen."

John Blankendaal, der Geschäftsführer von Brainport Industries in den Niederlanden, sah eine ähnliche Herausforderung. "Wir wollen helfen, unsere Hightech-Lieferkette zu professionalisieren und damit zu digitalisieren”. Das kooperative Netzwerk mit Sitz in Eindhoven ist inzwischen auf 125 Mitgliedsunternehmen aus dem ganzen Land angewachsen. "Die Lieferkette ist so stark wie ihr schwächstes Glied, deshalb müssen wir uns gemeinsam weiter professionalisieren. Gemeinsam müssen wir die 'time to market' und die 'time to money' verkürzen.

Stillstand ist keine Option: Die deutsche und die niederländische Industrie stehen vor großen Herausforderungen

Angesichts der globalen Herausforderungen im Bereich der Nachhaltigkeit, des Fachkräftemangels und der Konkurrenz aus Asien und den Vereinigten Staaten ist laut Blankendaal ein Wandel dringend erforderlich. "Auf der Hannover Messe im vergangenen Jahr sagte der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck, dass wir als Europa nicht zwischen den anderen Supermächten stecken bleiben dürfen. Wir brauchen deshalb eine bessere und stärkere digitale Zusammenarbeit in Europa."

Ein Jahr zuvor trafen sich Blankendaal und Simon zum ersten Mal auf der weltgrößten Industriemesse in Hannover. Damals saßen sie bei einem vom niederländischen Botschafter organisierten Networking-Dinner nebeneinander. "Da hat es sofort Klick gemacht", sagt Simon. "Wir wollen beide die Industrie 4.0 vorantreiben und können dabei viel voneinander lernen."

Simon ist beeindruckt von dem, was sie in den Niederlanden vorfindet. "Der Brainport Industries Campus bietet Raum für neue Unternehmen und neue Ideen für digitale Transformation. Es ist ein wunderbarer Ort, um neue Ideen auszuarbeiten." Besonders gefällt ihr die Vision der Innovation. "Die Einfachheit, mit der neue Themen ausprobiert werden, ist erfrischend. Von 10 neuen Ideen werden acht scheitern. Darüber wird in den Niederlanden keine Panik gemacht, denn man lernt auch aus dem Scheitern".

Innovation ist ein Prozess, der immer weitergeht, sagt sie. "Während wir in Deutschland alles perfekt vorbereiten und validieren wollen, bevor wir loslegen, fängt man in den Niederlanden einfach an, denn das Sammeln von Erfahrungen und das Machen von Fehlern liefert sehr wertvolle Informationen. Das ist ein sehr effizienter Weg, um mehr gute Ideen umzusetzen."

Digitale Transformation: Deutsche und niederländische Industrie teilen Werte und Interessen

John Blankendaal räumt ein, dass beide Nachbarländer unterschiedliche Ansätze für Innovationen haben. "Dennoch kämpfen wir Seite an Seite im selben Kampf. Wir wollen beide die internationale Wertschöpfungskette stärken." Für die Öffentlichkeit ist es nicht immer sichtbar, aber in diesem Bereich arbeiten Deutschland und die Niederlande bereits eng zusammen, sagt er. "Das bekannteste Beispiel ist, wie der niederländische Chiphersteller ASML und die deutschen Hersteller TRUMPF und ZEISS gemeinsam die europäische Schlüsseltechnologie EUV ermöglichen, damit Chips auf höchstem Niveau produziert werden können."

Außerdem herrsche in beiden Ländern große Begeisterung für die digitale Transformation der Industrie, fügt Simon hinzu. "Sie bietet so viele Möglichkeiten. Indem man Maschinen miteinander verbindet, schafft man mehr Effizienz in der Fabrik. Wenn man Fabriken vernetzt, erhält man effizientere Lieferketten und wenn man Datenräume vernetzt, schafft man Möglichkeiten für neue Kunden und Umsatzmodelle."

Dabei sind sich die beiden Länder kulturell sehr nahe. "Natürlich haben wir unsere Unterschiede, aber wir haben auch viele gemeinsame Werte", sagt sie. Sie sieht, dass die Niederlande sehr fortschrittlich sind, wenn es darum geht, neue Technologien zu adaptieren. "In Deutschland sind wir auch offen für neue Technologien, aber wir prüfen und evaluieren zunächst, bevor wir in eine Umsetzung gehen. Wenn wir unsere Stärken (hands-on Implementierung und erweiterte Prüfung) zusammenbringen, bilden wir zusammen eine unschlagbare Win-Win-Kombination."

Gemeinsam Hindernisse für die Digitalisierung der Industrie beseitigen

Schon jetzt gehören Deutschland und die Niederlande zu den wichtigsten Akteuren der Welt, wenn es um die digitale Transformation geht. Gleichzeitig gibt es aber noch viel zu tun, sagt Simon. "Wir brauchen eine kritische Masse von 30 % der Unternehmen, die bei der Digitalisierung an der Spitze stehen wollen. Diese werden dafür sorgen, dass der Rest nachzieht."

Dazu gebe es in Deutschland noch zu viele mentale Einstiegshürden, die Unternehmen davon abhalten, den ersten Schritt in Richtung digitale Transformation zu machen, sagt die LNI 4.0-Geschäftsführerin. "Außerdem sind zu viele Technologien noch nicht gut miteinander verbunden. Wir müssen sowohl die Einstiegshürden senken als auch die Interoperabilität der Technologien verbessern."

Obwohl die Niederlande beim durchschnittlichen Digitalisierungsgrad besser abschneiden als Deutschland, gibt es auch hier noch viel Raum für Verbesserungen, sagt Blankendaal. "Das Problem mit der Digitalisierung ist, dass sie nicht greifbar ist. Als Unternehmer ist es schwierig, sich genau vorzustellen, was das Ergebnis einer Investition sein wird. Das verursacht eine gewisse Zurückhaltung." Außerdem sei es ein sehr komplexes Thema, meint er. "Es gibt nicht die eine Lösung, mit der man fertig ist, sondern es braucht viel Vorbereitung. Es ist einfach nicht leicht zu wissen, wo man anfangen soll".

In den letzten Jahren wurden daher in den Niederlanden mehr als 50 Fieldlabs eingerichtet. "Das sind sichere Testumgebungen, in denen Unternehmer und Experten gemeinsam herausfinden, was für sie am besten funktioniert. Das spart Kosten, ist enorm praktisch und man lernt voneinander. Auf der Grundlage dieser Erfahrungen kann man den Schritt zur Digitalisierung viel leichter und selbstbewusster vollziehen."

Manufacturing-X als Dach für die globale Digitalisierungsbranche

Aus Deutschland kommt nun mit Manufacturing-X eine neue Initiative, die die globale Industrie bei der Digitalisierung unterstützt, sagt Simon. "Ich sehe es als ein Dach, das ein föderiertes, dezentralisiertes und kollaboratives Datenökosystem für die intelligente Fertigung implementieren wird. Das Ziel von Manufacturing-X ist so einfach wie komplex: Daten für Sie arbeiten lassen."

Es ist ein Rahmen, der die Industrie auf die Zukunft vorbereiten soll. "Die reale und die virtuelle Welt werden zunehmend miteinander verschmelzen. Die gesamte Wertschöpfungskette wird integriert und durch die digitale Transformation unterstützt werden, von der Produkt-, Produktions- und Prozessgestaltung bis hin zum Kundenservice vor Ort und zur Kreislaufwirtschaft. Dies wird sich über Unternehmensstandorte und Landesgrenzen hinweg erstrecken."

Ihrer Meinung nach wird dies die Industrie widerstandsfähiger machen. "Wir erhöhen die Flexibilität und Autonomie der industriellen Wertschöpfungsketten. Entscheidend ist auch, dass wir nachhaltiger produzieren. Als Industrie werden wir effizienter und wir ermöglichen die Verbesserung der CO2-Bilanz und der Kreislaufwirtschaft mit datengesteuerten Lösungen." Sie ist auch wichtig, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. "Damit beschleunigen wir digitale Innovationen und ermöglichen neue datengesteuerte Geschäftsmodelle, um neue Werte für die Fertigungsindustrie zu schaffen."

Der Rahmen wurde niederländischen Unternehmern und politischen Entscheidungsträgern während des Dutch-German Manufacturing-X-Kick-off-Meeting im September 2023 auf dem Brainport Industries Campus vorgestellt. Der internationale Ansatz ist notwendig, um eine datengesteuerte Fertigung zu ermöglichen, sagt Blankendaal. "Wir können alle Initiativen von Japan bis zu den USA und Europa unter ein Dach bringen. Wir brauchen nichts zu zentralisieren und können gleichzeitig gemeinsam die Digitalisierung vorantreiben."

Dutch-German Manufacturing-X kick-off Meeting 2023

Gleichzeitig biete Manufacturing-X auch eine hervorragende Gelegenheit, die Zusammenarbeit zwischen den Niederlanden und Deutschland zu intensivieren, so Blankendaal. "Es gibt uns die Freiheit, unsere eigenen Ideen und Anwendungsfälle mit Deutschland zu testen. Das Treffen im letzten Jahr in Eindhoven hat bereits eine Menge Perspektiven geboten. Ich bin sehr gespannt, welche neuen Ideen sich daraus ergeben werden. Letztlich wird dies sowohl Deutschland als auch die Niederlande voranbringen."

Wie Manufacturing-X in der Praxis funktioniert, zeige sich bereits daran, wie der niederländische Datenstandard SCSN (Smart Connected Supplier Network) mit Catena-X, dem offenen Datenökosystem der deutschen Automobilindustrie, interoperabel gemacht werde, so Blankendaal. "Hätten wir das ein paar Jahre früher gehabt, wäre die Automobilindustrie wahrscheinlich nicht von der plötzlichen Chip-Knappheit überrascht worden und hätte schneller reagieren können. Diese Systeme ermöglichen es der europäischen Industrie, autonom zu bleiben und machen uns weniger abhängig von den anderen Weltmächten."

Eine Industrie, in der alles nahtlos zusammenpasst

LNI 4.0 und Brainport Industries sind überzeugt, dass sie auch in Zukunft voneinander profitieren werden, sagt Blankendaal. "Das machen wir mit einem gemeinsamen Stand auf der Hannover Messe konkret", sagt er.

Das ist auch ein guter Zeitpunkt, um nach vorne zu schauen, was die Nachbarländer sonst noch gemeinsam tun können. "Wir arbeiten natürlich an vielen neuen innovativen Ideen wie Datenräumen und Interoperabilität, aus denen sich neue Geschäftsmodelle entwickeln", sagt Simon. "Es wäre aber schade, wenn wir die bestehenden Geschäftsbeziehungen vergessen. Wir müssen auch diese auf das Niveau von Industrie 4.0 heben."

Gleichzeitig ist es ein guter Zeitpunkt, ein wenig weiter in die Zukunft zu blicken. Wie digital wird die deutsche und niederländische Industrie in fünf Jahren sein? Blankendaal rechnet mit viel mehr Fabriken, die autonom arbeiten können und mit einer stark wachsenden Rolle der künstlichen Intelligenz. "Das ist auch dringend nötig, denn die Industrie konkurriert um die gleichen Fachkräfte wie zum Beispiel die Logistik oder das Gesundheitswesen." Es stehen also weniger Menschen zur Verfügung, um mehr Arbeit gleichzeitig zu erledigen. "Wir müssen nicht härter, sondern intelligenter arbeiten", sagt er.

Darüber hinaus muss die gesamte Lieferkette intelligenter werden, sagt der Direktor von Brainport Industries. "Wir müssen in der Lage sein, schneller zu reagieren und uns schneller anzupassen. Da dürfen wir uns nicht mehr überrumpeln lassen, wie es bei der Chip-Knappheit der Fall war. Wir werden bald in der Lage sein, mögliche Engpässe besser vorherzusagen".

Anja Simon hofft auf eine Industrie, in der alles nahtlos miteinander verbunden ist. "Keine Lücken mehr, in denen Informationen verschwinden. Daten sollten mühelos zwischen Ländern und Sektoren ausgetauscht werden können, und Deutschland und die Niederlande können diese Zukunft näher bringen."

Besuchen Sie LNI 4.0 und Brainport Industries während der Hannover Messe 2024

Möchten Sie mehr über die deutsch-niederländische Zusammenarbeit von LNI 4.0 und Brainport Industries erfahren? Besuchen Sie den gemeinsamen Stand in Halle 8 während der Hannover Messe vom 22. bis 26. April 2024.

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