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Europawahl: MINT-Bildung verdient einen hohen Stellenwert auf der politischen Agenda

Im Vorfeld der Wahl zum Europäischen Parlament (6. bis 9. Juni 2024) macht die EU STEM Coalition gemeinsam mit europäischen Partnern wie der ‚Platform Talent voor Technologie‘ (PTvT, Dutch National Platform Science & Technology) auf die MINT-Bildung aufmerksam.

Dass die Reform der MINT-Bildung (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) in ganz Europa dringend notwendig ist, zeigte sich auch auf der Konferenz über die Zukunft der MINT-Bildung in Europa in Brüssel Anfang des Jahres, auf der das Memorandum (MoU) „Towards better STEM policies and implementation: recommendations for the next steps“ von wichtigen Akteuren aus ganz Europa unterzeichnet wurde.

Bei dieser Unterzeichnung betonte die EU-Kommissarin für Innovation, Forschung, Kultur, Bildung und Jugend, Iliana Ivanova, in einer Videobotschaft die Bedeutung dieser Vorschläge. Sie wies auf die besorgniserregenden Statistiken der PISA-Studie 2022 hin: Rund 30 % der europäischen Jugendlichen verfügen demnach nicht über grundlegende Kompetenzen in Mathematik und haben ähnliche Defizite in den Naturwissenschaften und beim Lesen.

„Diese Bildungsdefizite stellen eine ernsthafte Bedrohung für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und die Innovationsfähigkeit Europas dar“, sagte die EU-Kommissarin. Um das Ruder herumzureißen, hat sich die Europäische Union das Ziel gesetzt, den Anteil der Schüler/innen mit schlechten Leistungen in diesen Bereichen bis 2030 auf unter 15 % zu senken.

Reform der MINT-Bildung entscheidend für Europas Zukunft

Susanne Jakobs vom Zentrum für Innovation und Technik in NRW (ZENIT) unterstreicht die Notwendigkeit einer Reform der MINT-Bildung in ganz Europa. „Ohne die außerschulische MINT-Bildung verlieren Regionen, Mitgliedsstaaten und damit auch die EU viele Kinder und Jugendliche, die nicht durch das starre und bewertende Schulsystem für MINT begeistert werden.“

Jakobs glaubt, dass es wichtig ist, die Begeisterung wieder in den Mittelpunkt zu stellen. „Die Orientierung durch Workshops, die MINT-Wissen anschaulich vermitteln und erlebbar machen, mit Spaß und ohne Notendruck, ist ein wichtiger Faktor, auch für die Gewinnung des Fachkräftenachwuchses. Je mehr auch Europa für die außerschulische MINT-Bildung tut und die Regionen unterstützt, desto erfolgreicher können die Kompetenzen der jungen Menschen in den Schlüsselbereichen Digitalisierung, Klimaschutz und Innovation gefördert werden.“

MINT-Bildung

Die Absichtserklärung der EU STEM Coalition [hier lesen] verleiht dem Ganzen praktische Substanz, indem sie einen Aktionsplan aufstellt, der die systemischen Probleme der MINT-Bildung ganz Europa angeht. Das Dokument unterstreicht die Bedeutung der Technologieintegration in verschiedenen Sektoren wie dem Gesundheitswesen und der Landwirtschaft, die heute grundlegende MINT-Kompetenzen erfordern, um erfolgreich zu sein.

Die wichtigsten Empfehlungen der Absichtserklärung betonen die Notwendigkeit, bestehende groß angelegte Bildungsprogramme und Netzwerke zu nutzen, um die Reichweite und Wirksamkeit der MINT-Bildung zu erhöhen. Es wird empfohlen, einen flexiblen Bottom-up-Ansatz zu wählen, der auf die besonderen Bedürfnisse der verschiedenen Regionen zugeschnitten ist, um sicherzustellen, dass die Initiativen sowohl integrativ als auch umfassend sind.

Verbesserung der MINT-Bildung in ganz Europa durch Best Practices

Die EU STEM Coalition bringt nationale und regionale Initiativen aus ganz Europa zusammen. „Durch den Austausch von Best Practices aus ganz Europa lernen wir voneinander, wie wir die MINT-Bildung stärken können“, sagt Direktorin Beatrice Boots von der niederländischen ‚Platform Talent voor Technologie‘ (PTvT, Dutch National Platform Science & Technology), die derzeit das Sekretariat der EU STEM Coalition führt.

Eines der jüngsten Beispiele, die in ganz Europa beobachtet werden, ist das Programm Techkwadraat, in das die niederländische Regierung in den nächsten Jahren 351,6 Millionen Euro für die Grund- und Sekundarschulbildung investiert. Dieses Programm soll Partner in den Niederlanden ermutigen, in Bereichen wie Ingenieurwesen, Technologie, IKT und Wissenschaft Lernumgebungen für Kinder und Jugendliche zu schaffen – sowohl in der Schule als auch darüber hinaus.

„Das Gute an diesem Programm ist, dass der Ansatz auf einen langen Zeitraum ausgerichtet ist“, sagt Boots. „Es braucht einfach Zeit, um einen Wandel in der Bildung herbeizuführen. Das wissen wir aus Erfahrungen mit früheren erfolgreichen Programmen.“

Ein weiterer wichtiger Aspekt von Techkwadraat sei laut Boots, dass es viele weitere Akteure im Bildungsbereich einbezieht. „Wissenschaftsinstitutionen, Wissenschaftsmuseen und Unternehmen werden eine Rolle dabei spielen, der MINT-Bildung einen Kontext und eine breitere Interpretation zu geben.“ Dadurch wird auch eine Interpretation der MINT-Bildung möglich; es gibt Querverbindungen zu anderen Themen und Bereichen wie Nachhaltigkeit, Gesundheitsthemen und Kunst.

„Die Einbindung von Wissenschaft und Wirtschaft stellt sicher, dass es einen neuen wissenschaftlichen Lehrplan geben wird, der auch nachhaltiger sein wird“, sagt Boots. „Außerdem ist die Bildung dank der Beiträge der Interessengruppen und zusätzlicher Ressourcen nicht mehr auf sich allein gestellt. So lernt der Bildungsbereich schneller aus vorhandenem Wissen und praktischen Erfahrungen.“

Auch in Deutschland gibt es inspirierende Beispiele. „Die außerschulische MINT-Bildung durch die Gemeinschaftsinitiative Zukunft durch Innovation, kurz zdi.NRW, wird seit mehr als 15 Jahren vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft gefördert“, erklärt Susanne Jakobs. „Die Netzwerkarbeit, die per Bottom-up-Ansatz auf die Bedürfnisse in den jeweiligen Städten und Kommunen eingeht, und tolle Angebote u. a. auch mit Unternehmen für Kinder und Jugendliche schafft, wird vielfach gelobt.“

Das Netzwerk ist für die von zdi organisierten Wettbewerbe bekannt. „Zum Beispiel der Roboter-Wettbewerb, der niederschwellig erste Programmierkompetenzen vermittelt oder auch die Science League, die über einen längeren Zeitraum Jugendliche eigene Projekte entwickeln lässt.“

Eine Umfrage des Nationalen MINT-Forums zeigt, dass deutsche Initiativen bis 2023 mindestens 80 Millionen Euro in die MINT-Bildung investiert haben. Dies ist dringend notwendig, da in Deutschland 244.400 Fachkräfte in MINT-Berufen fehlen. Experten diskutieren diese Herausforderung am 12. Juni mit der deutschen Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) und der KMK-Präsidentin Christine Streichert-Clivot (SPD).

Europa muss seine Kräfte für eine bessere Bildung bündeln

Innerhalb der EU STEM Coalition stellt Boots fest, dass diese Initiative von einigen europäischen Mitgliedsstaaten mit gesundem Neid betrachtet wird. „Nicht nur auf die Ressourcen, sondern auch auf den Ansatz“, sagt sie. Gleichzeitig sieht sie, dass die MINT-Bildung auch anderswo auf der Welt Beachtung findet, wie zum Beispiel kürzlich die neue MINT-Initiative der Biden-Regierung.

Boots hofft, dass die Wahlen zum Europäischen Parlament als Gelegenheit genutzt werden, um die MINT-Bildung weiter oben auf der Agenda zu platzieren. „Wir müssen die bestehenden Initiativen besser miteinander verknüpfen und die Ressourcen gezielt darauf ausrichten. Dies kann durch bestehende Initiativen wie die Centres of Vocational Excellence (CoVEs) und Erasmus+ geschehen.“

Unterstützung für die Stärkung der MINT-Bildung kommt auch von der europäischen Industrie. Boots nennt als Beispiel eine gemeinsame Veranstaltung, die Anfang des Jahres von europäischen Branchensozialpartnern der Metall-, Maschinenbau-, Chemie-, Pharma-, Kunststoff-, Gummi- und Technologieindustrie organisiert wurde – von der industriAll European Trade Union (industriAll Europe), der European Chemical Employers Group (ECEG) und der European Tech & Industry Employers (Ceemet). Mehr als 60 führende Interessenvertreter, darunter Vertreter von EU-Institutionen, Sozialpartnern, Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften, waren anwesend. „Es ist gut, dass mittlerweile Viele die Wichtigkeit der MINT-Bildung erkennen.

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