Deutschland und die Niederlande vereint, dass sie im Bereich der Landwirtschaft vor ähnlichen Herausforderungen stehen: Fachkräftemangel, fehlende Nachfolger in Landwirtschaftsbetrieben und steigende Energiekosten. Dennoch schauen beide Länder mit Zuversicht in die Zukunft. An Lösungen und Zukunftsthemen für die Landwirtschaft arbeiten auf dem Brightlands Campus Greenport Venlo Unternehmen, Organisationen und junge Talente zusammen. Im Interview mit Niederlande Nachrichten erklären René Kurvers, Program Manager R&D Tomorrow’s Food am Brightlands Campus Greenport Venlo, und Carin Stroeken, Teamlead International bei LIOF, welche Projekte aktuell laufen und wie die grenzüberschreitende Zusammenarbeit den Umbruch in der Landwirtschaft gestalten kann.
Innovationsort für Future Farming, gesunde Ernährung und Bio-Kreislaufwirtschaft
Der Brightlands Campus Greenport Venlo ist Teil des Brightlands-Ökosystems in Limburg, einer offenen Gemeinschaft mit über 30.000 Unternehmern, Forschern und Studenten. Hier entstehen Durchbrüche in Sachen Nachhaltigkeit, Gesundheit und Digitalisierung. LIOF ist die regionale Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Provinz Limburg. Ihr Ziel ist es, Unternehmer zu begleiten und zu unterstützen und in eine wirtschaftlich starke und zukunftsfähige Provinz zu investieren – mit internationaler Ausrichtung. Einen zweiten Standort hat die Wirtschaftförderung direkt auf dem Campusgelände.
„Wir befassen uns am Brightlands Campus Greenport Venlo mit drei Kernthemen“, erklärt René Kurvers. „Ein Schwerpunkt ist die gesunde Ernährung: Was braucht es für Innovationen, damit Ernährung nicht nur gesund, sondern auch nachhaltig wird? Hierfür arbeiten Unternehmen und Wissenschaftler bei uns zusammen.“

Ein weiterer Punkt ist die Bio-Kreislaufwirtschaft, bei der beispielsweise Biomasse als Rohmaterial verwendet wird. Der dritte Schwerpunkt liegt auf dem Thema Future Farming – die Landwirtschaft der Zukunft. „Wir sind hier mitten in einer der produktivsten, nachhaltigsten und gleichzeitig profitabelsten landwirtschaftlichen Regionen Europas“, so Kurvers.
Carin Stroeken ergänzt: „Wir sehen, dass sich Agrifood immer weiter in Richtung Agritech entwickelt. Auch in der Lebensmittelproduktion spielt Technologie eine immer größere Rolle – und gerade in Deutschland passiert in diesem Bereich sehr viel. Für den Campus und für niederländische sowie deutsche Unternehmen liegt hier eine große Chance.“
KI-Robotik-Labor: Hightech für Gewächshäuser
Zusammen mit der Universität Maastricht entsteht derzeit ein Data AI Robotics Lab. Am Campus gibt es innovative Gewächshäuser, in denen Robotik eingesetzt wird, die sowohl mit Pflanzen als auch mit Menschen interagiert. Das Projekt befindet sich momentan in Phase 1 und soll im ersten Quartal 2026 offiziell eröffnet werden. Nächstes Jahr sollen dann weitere größere Anlagen folgen.
„Hier erwarten Unternehmen fantastische Möglichkeiten zur Zusammenarbeit – als Testgelände und mit dem Potenzial, im Umkreis von 500 Kilometern bis zu 160 Millionen Konsumenten zu erreichen“, erklärt Kurvers. In Form von binationalen Forschungsprojekten und Partnerschaften – etwa mit der Hochschule Niederrhein oder dem Cluster Industrielle Biotechnologie (CLIB) in Düsseldorf – gibt es bereits starke Aktivitäten in Richtung Deutschland.
Campus und LIOF: Gemeinsam Netzwerke ausbauen
„Durch die Zusammenarbeit mit LIOF möchten wir unser Netzwerk vergrößern, um noch mehr Kooperationen einzugehen“, sagt Kurvers. „Der Campus soll wachsen, neue Unternehmen sollen sich ansiedeln. Wir bauen das AI Robotics Lab weiter aus – ebenso wie unsere Testkapazitäten.“

Carin Stroeken betont: „Agritech ist ein wichtiger Schwerpunkt unserer Arbeit als regionale Wirtschaftsförderung. Wir sprechen im Bereich Agritech und Agrifood teils dieselben Zielgruppen an wie der Campus und möchten Unternehmen Zugang zu Kooperationen und internationalen Märkten bieten.“
Was deutsche Unternehmen am Campus erwartet
Für deutsche Firmen gibt es am Campus verschiedene Möglichkeiten der Zusammenarbeit: Laborkapazitäten und Testfelder stehen zur Verfügung, Förderprojekte und spezielle Programme der Wirtschaftsförderung Limburg helfen Unternehmen dabei, marktfähige Produkte zu entwickeln und auf internationalen Märkten sichtbarer zu werden.
„Besonders wenn wir das Thema strategische Autonomie mitdenken, wird grenzüberschreitende Zusammenarbeit innerhalb Europas zu einem wichtigen Erfolgsfaktor“, fasst Carin Stroeken zusammen. „Wir brauchen gegenseitigen Erfahrungsaustausch, damit wir gezielter an Innovationen arbeiten und schneller vorankommen.“
René Kurvers ergänzt: „Der Nachbar auf der anderen Seite der Grenze hat oft schon gute Ideen oder vielleicht sogar bessere Erfahrungen und andere Einblicke. Das macht eine starke Kombination aus: Unternehmen, Wissenschaft und Talente, die gemeinsam an diesen Themen arbeiten.“
Ausblick 2026: Delegationsreise und neue Kooperationen
Für 2026 sind mehrere gemeinsame Veranstaltungen geplant, darunter eine Delegationsreise nach Deutschland. Im April organisiert LIOF zusammen mit weiteren regionalen Wirtschaftsförderungsgesellschaften eine Mission in die Region Osnabrück, bei der auch der Brightlands Campus vertreten sein wird. Ziel ist es, deutsche Unternehmen stärker mit den Entwicklungen in Limburg zu vernetzen und gemeinsame Pilotprojekte anzustoßen.




