Beim 13. Nationalen MINT Gipfel 2025 in Berlin wurde deutlich: Deutschland will MINT-Fächer stärker ins Zentrum seiner Bildungs- und Wissenschaftspolitik rücken. Zwei Bundesministerinnen – Karin Prien (Bildung) und Dorothee Bär (Forschung und Technologie) – unterstrichen die strategische Bedeutung von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik für Innovationsfähigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Sicherheit.
Nicht nur die nationale Perspektive stand im Fokus. Vertreterinnen und Vertreter der EU STEM Coalition diskutierten gemeinsam, wie erfolgreiche Modelle aus einzelnen Mitgliedstaaten auf europäischer Ebene Wirkung entfalten können. Ein besonderer Blick galt dabei den Niederlanden, deren Ansatz vielfach als ein Best Practice gilt.
Die EU STEM Coalition: Europäische Zusammenarbeit mit niederländischem Zentrum
Die EU STEM Coalition ist ein Netzwerk der nationalen, europäischen und internationalen MINT-Plattformen. Ziel ist es, MINT-Bildung europaweit zu stärken – durch den Austausch bewährter Konzepte, gemeinsame Arbeitsgruppen, Politik-Briefings und die enge Verzahnung von Bildung, Wirtschaft und Politik.




Die niederländische Plattform Platform Talent voor Technologie (PTvT) ist Mitbegründerin der EU STEM Coalition. PTvT ist außerdem in die operative Leitung der EU STEM Coalition eingebunden, beispielsweise durch das Management des Sekretariats in Den Haag und Utrecht. Die Niederlande nehmen eine Rolle als Impulsgeber für europäische Bildungs- und Fachkräftestrategien ein.
Das niederländische Modell: praxisnah, regional verankert, skalierbar
Auf dem MINT Summit stellte Rolf Schreuder, Vertreter der EU STEM Coalition, zentrale Elemente des niederländischen Modells vor. Dieses basiert auf mehreren ineinandergreifenden Strukturen:
- 74 regionale öffentlich-private Partnerschaften im Rahmen von Sterk Techniekonderwijs, die Schulen, Unternehmen und regionale Akteure verbinden
- Evidenzbasierte Programmentwicklung mit dem Intervention Compass (Techkwadraat)
- Skalierung über mehr als 550 Katapult-Partnerschaften, die den Übergang von Ausbildung in den Arbeitsmarkt aktiv gestalten
- Hybride Lehrkräfte, bei denen Fachkräfte aus der Industrie zeitweise im Unterricht lehren und Praxiswissen direkt vermitteln
Diese Ansätze sind Teil eines langfristig angelegten nationalen Programms. Entscheidend ist dabei weniger ein einzelnes Instrument als das Zusammenspiel aus regionaler Verankerung, nationaler Koordination und europäischer Anschlussfähigkeit.
Zusammenarbeit als Schlüsselbegriff für widerstandsfähige MINT-Ökosysteme
Ein Wort zog sich durch alle Diskussionen des Summits: Zusammenarbeit. Gemeint ist damit nicht nur Kooperation zwischen Staaten, sondern vor allem zwischen Schulen, beruflicher Bildung, Hochschulen und Industrie. Gerade diese sektorübergreifenden Partnerschaften gelten als Voraussetzung für widerstandsfähige MINT-Ökosysteme in Europa.
Die niederländische Erfahrung zeigt, dass Fachkräftesicherung nicht allein über Lehrpläne oder Einzelprogramme gelingt, sondern über dauerhafte Netzwerke, in denen Wirtschaft und Bildung gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Deutschland und die Niederlande: unterschiedliche Rollen, gemeinsames Ziel
Beide Länder stehen vor ähnlichen Herausforderungen: Fachkräftemangel, ein wachsender Skills Gap in Technik, Digitalisierung und Nachhaltigkeit sowie der Anspruch, technologische Kompetenzen in Europa zu halten. Die Zusammenarbeit im Rahmen der EU STEM Coalition schafft hier einen gemeinsamen Lernraum und vermeidet, dass nationale Lösungen isoliert entwickelt werden. Die Niederlande liefern erprobte Transfermodelle, die zeigen, wie Kooperation praktisch organisiert und skaliert werden kann.
Bildcredits: EU STEM Coalition / Video: Nationales MINT Forum e. V.




